Zum Hauptinhalt springen

Mit dem Virus kommt der Hunger zurück

Die Corona-Pandemie hat auch Afrika erreicht und bedroht die Menschen dort gleich doppelt. Denn die Bekämpfung des Virus erfordert Maßnahmen, die einen alten Feind weiter erstarken lassen: den Hunger. Derzeit haben 690 Millionen Menschen weltweit nicht genug zum Essen. Bis zum Ende dieses Jahres könnte diese Zahl laut Prognosen der UNO in Folge der Corona-bedingten Einschränkungen sprunghaft um weitere 132 Millionen ansteigen. Allein in den afrikanischen Partnerländern der Caritas stehen Tausende Tagelöhner und Handwerker in Afrika plötzlich ohne Einkommen da – vielfach auch Frauen, die mit einfachen Dienstleistungen eine Existenzgrundlage für sich und ihre Kinder aufgebaut hatten. Vor diesem Hintergrund hat die Caritas heute Vormittag ihre Sensibilisierungs- und Spendenkampagne „Hunger macht keine Ferien“ mit einem Smartmob eröffnet. Sie bittet um Unterstützung, um den Menschen in Afrika über diese schwierige Zeit zu helfen. Begleitet wird die Kampagne auch heuer von den Pfarreien, die am Freitag, den 31. Juli um 15 Uhr die Kirchenglocken lauter und länger läuten lassen, um an das Leid der Menschen in Afrika zu erinnern und zum Einsatz gegen den Hunger aufzurufen.

„Wie in den meisten humanitären Krisen trifft auch die Corona-Pandemie diejenigen am härtesten, die ohnehin schon auf Hilfe angewiesen waren: Menschen, die von der Hand in den Mund leben, die mit einem Marktstand oder als Tagelöhner tagsüber das Geld verdienen, das sie am Abend für ihre Mahlzeit brauchen. Sie sind plötzlich von ihrem Einkommen abgeschnitten und wissen nicht, wie sie ihre Kinder satt bekommen sollen, ganz zu schweigen davon, dass sie sich auch gegen das Virus kaum schützen können. Viele haben keinen Zugang zu sauberem Wasser und auch nicht die nötigen Hygieneartikel“, beschreibt Caritas-Direktor Paolo Valente zum Auftakt der Kampagne „Hunger macht keine Ferien“ die derzeitige Situation in den Partnerländern der Caritas in Afrika.

Besonders hart treffe es die Kinder. „Die Schulen sind geschlossen. Für die Buben und Mädchen fällt damit nicht nur der Unterricht weg, sondern für viele auch die einzige warme Mahlzeit am Tag und der Zugang zu sauberem Wasser. Zuhause ist das Essen vielfach knapp und das Wasser schmutzig, was die Buben und Mädchen schon vor Corona krankgemacht hat“ so Valente.

„Dabei wäre die Situation auch ohne Covid-19 schwierig genug. Der Klimawandel verändert die Regenperioden und wirkt sich auf die Bodenfruchtbarkeit aus. Auch davon sind besonders die Menschen in den Ländern südlich der Sahara betroffen, die immer wieder Ernteausfälle zu beklagen haben“, erklärt der Leiter des Dienstes Globale Verantwortung, Fabio Molon. Heuer komme noch dazu, dass seit Monaten riesige Heuschreckenschwärme ganze Landstriche überfallen und buchstäblich kein Blatt zurücklassen. „Diese Regionen trifft die Pandemie doppelt und dreifach“, sagt Molon.

Die Nothilfe der Caritas ist gemeinsam mit langjährigen Partnern in Afrika bereits angelaufen. Viele Familien werden mit Lebensmitteln und sauberem Wasser versorgt, Schutzmasken wurden gefertigt und Hygienekits verteilt. „Eine zentrale Rolle im Kampf gegen Corona spielen die Trinkwasserstellen. Sie bieten den Familien genug sauberes Wasser, um zu trinken und sich regelmäßig die Hände zu waschen. Das stärkt besonders das Immunsystem der Kinder. Derzeit fungieren die Wasserstellen zusätzlich als Informations- und Lebensmittelausgabestellen. Die Frauen erfahren dort von uns, wie sie ihre Familien gegen das Virus schützen können und bekommen auch noch Reis und Gemüse“, erklärt die Caritas-Mitarbeiterin Judith Hafner, welche die Caritas-Projekte in Afrika begleitet. Über 100 dieser Wasserstellen hat die Caritas in den vergangenen 10 Jahren errichtet.

Die langfristigen Förderprojekte der Caritas in Afrika kommen den Menschen in dieser Krise jetzt besonders zugute. So können Bauprojekte wie die Errichtung von Brunnen und Schulen mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen weitergeführt werden, was wiederum zahlreichen Familienvätern ein Einkommen sichert. Auch die Arbeit in den Baumschulen und die Projekte zum Aufbau einer nachhaltigen und vielfältigen Landwirtschaft gehen weiter. „Die jahrelange Arbeit mit den Bauern zeigt gerade jetzt ihre Wirkung. Familien können genug Getreide produzieren und in den Genossenschaften lagern, andere bauen Gemüse an und halten Tiere, die ihnen in dieser schweren Zeit Sicherheit geben. Viele Familien sind dadurch, selbst in diesem Krisenjahr, unabhängig von externer Hilfe“, betont Hafner.

„In dieser schwierigen Zeit können wir viel Not abfedern, indem wir auf der Arbeit der vergangenen Jahre aufbauen. Ohne die Unterstützung so vieler Menschen in Südtirol wäre das nicht möglich gewesen“, bedankt sich Caritas-Direktor Paolo Valente bei allen Spenderinnen und Spendern, die den Einsatz der Caritas gegen den Hunger unterstützen – über 8.000 allein im vergangenen Jahr. Er hofft, dass diese Solidarität weitergeht. „Jede Spende sichert das Überleben von Menschen und gibt ihnen die Chance auf Existenzsicherung. Mit 9 Euro im Monat bekommen bedürftige Kinder ein Mittagessen solange die Schulen noch zu sind. 20 Euro reichen aus, um einer Familie in Äthiopien Nahrung für einen Monat zu geben, 50 Euro für 10 Meter Wasserleitung und 100 Euro, um den Monatslohn eines Familienvaters über Arbeitsprojekte zu sichern“, ruft Valente zum Spenden auf.

Unterstützung für die Caritas-Aktion und den Einsatz gegen den Hunger kommt heuer auch wieder von den Pfarreien, die sich auf Anregung von Bischof Ivo Muser an der Caritas-Kampagne gegen den Hunger beteiligen. Sie lassen am Freitag, den 31. Juli, um 15 Uhr – zeitgleich mit den Pfarreien in Österreich – die Kirchenglocken lauter und länger läuten als gewöhnlich „Die Pandemie hat den Hunger in Afrika mehr denn je zur Bedrohung gemacht“, erklärt Generalvikar Eugen Runggaldier, „In der Sterbestunde Jesu wollen wir diese Familien, die bisher ein eigenes Einkommen hatten, nun aber an Hunger leiden, in unser Gebet einbeziehen. Das Glockenläuten am 31. Juli soll uns daran erinnern, dass wir es in der Hand haben zu helfen“.

Wer die Hilfe der Caritas für hungernde Menschen unterstützen möchte, kann eine Spende unter dem Kennwort „Hunger in Afrika“ tätigen oder mit 9 Euro im Monat Hungerpate werden. Unter der Telefonnummer 0471 304 339 hat die Caritas bis zum Ende der Kampagne „Hunger macht keine Ferien“ am 31. Juli eine Spendenhotline eingerichtet. Nähere Informationen können aber auch online unter www.caritas.bz.it oder direkt bei der Caritas in der Bozner Sparkassenstraße 1 eingeholt werden.

Wichtig: Die Caritas setzt die Spenden zu 100 Prozent in den Projekten ein. Für die Finanzierung der Verwaltungstätigkeit und Bewerbung der Projekte kommen Sponsoren auf. Die Rechenschaftsberichte der einzelnen Projekte können im Dienst für Globale Verantwortung in der Sparkassenstraße 1 in Bozen eingesehen werden und stehen den Spendern auszugsweise auch im Spenderinformationsblatt und auf der Webseite der Caritas (www.caritas.bz.it) zur Verfügung. Die Kampagne „Hunger macht keine Ferien“ wird von der italienischen Bischofskonferenz und privaten Sponsoren finanziert.

Spendenkonten der Caritas Diözese Bozen-Brixen:
Raiffeisen Landesbank, IBAN: IT42 F0349311600000300200018;
Südtiroler Sparkasse, IBAN: IT17 X0604511601000000110801;
Südtiroler Volksbank, IBAN: IT12 R0585611601050571000032;
Intesa Sanpaolo, IBAN: IT18 B0306911619000006000065

Fabio Molon (v.l.), Judith Hafner, Eugen Runggaldier, Paolo Valente, Renata Plattner

Verwandte Themen


Teilen Sie diesen Beitrag mit Ihren Freunden