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„Dem Lebensende Farbe geben“: Werke des Künstlers Gianni Purin an Südtiroler Altenheime übergeben

Am Lebensende ist nicht nur die medizinische Versorgung wichtig; die Menschen brauchen auch einen Sinn in ihrem Leben und die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten einzusetzen. Das ist die Botschaft, welche die Caritas Hospizbewegung gemeinsam mit Milena Purin, der Tochter des 2016 verstorbenen Künstlers Gianni Purin, aussenden will. Die Künstlertochter hat die Werke ihres Vaters dem Caritas-Dienst vermacht, welcher sie nun im Rahmen der Initiative „Dem Lebensende Farbe geben“ über den Verband der Südtiroler Seniorenwohnheime an verschiedene Altersheime verteilt. Einige der über 200 Werke, darunter Skulpturen und Bilder, hat Purin in seiner letzten Lebensphase im Altersheim Don Bosco verwirklicht. „Ein älterer Mensch, der seinen Lebensabend in einem Heim verbringt, hat oft das Gefühl, sein Leben sei wie ein leer gewordener Schrank. Das können wir verhindern: indem wir zuhören und dadurch alles, was da ist, alle vorhandenen Ressourcen sammeln und neu beleben. Dann wird klar, dass der Schrank keineswegs leer ist, sondern voll von wertvollen Stücken, die Bedeutung haben“, erklärte Renato Decarli, der als Mitarbeiter der Caritas Hospizbewegung das Projekt koordiniert.

Die erste symbolische Übergabe der Werke von Gianni Purin fand heute Vormittag im Garten des Bozner Altersheims Don Bosco im Beisein seiner Tochter Milena Purin, der Caritas Hospizbewegung und Vertretern der Seniorenwohnheime statt. Dort hat der Künstler die letzten Monate seines Lebens verbracht. Purin hat sich ein halbes Jahrhundert lang mit dem Thema Raum auseinandergesetzt. Ab 1972 wurden seine Werke auf nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt. Im Altersheim hat er es zunächst abgelehnt, sich weiterhin künstlerisch zu betätigen. Doch dank den Betreuern und Verantwortlichen der Einrichtung ist es gelungen, ihn dazu zu motivieren, die Malerei wiederaufzunehmen und seine Schaffensfreude wiederzufinden. Auf Einladung des im Heim tägigen Freizeitbetreuers Rocco Sartori trat Purin einer Gruppe bei, die sich wöchentlich in der Tagesstätte „Lupo Alberto“ trifft, um sich gemeinsam neuen, kreativen Formen der Kunst, wie der Collage, zu widmen. Als Purin die Pinsel und Werkzeuge erst wieder in der Hand hatte, widmete er sich mit viel Freude und Einsatz seiner Kunst und schaffte es sogar, seine letzte Ausstellung mit dem Titel „NeueKunst in Don Bosco“ zu verwirklichen. „Ich habe versucht, Gianni zu motivieren. Dazu habe ich vorgeschlagen, dass er seine kreativen Fähigkeiten ausbaut und ganz neue Werke schafft, um zu zeigen, dass ein wahrer Künstler immer ein Künstler bleibt, unabhängig von seinem Alter und von den Umständen, in denen er lebt“, erinnert sich Sartori.

Als Purin 2016 verstarb, hinterließ er seiner Tochter Milena alle Werke, die er in 50 Jahren geschaffen hatte. Um diesem Erbe einen neuen Wert, sozusagen Farbe, zu geben wollte, hat sie es der der Caritas-Hospizbewegung gespendet, von der sie selbst seit mehreren Jahren begleitet wird. Diese wiederum gibt die Bilder und Skulpturen jetzt im Rahmen der Initiative „Dem Lebensende Farbe geben“ an verschiedene interessierte Altenheime weiter. „Senioren brauchen nicht nur physische Betreuung, sondern vor allem auch Nähe und jemanden, der zuhört und auf ihre emotionalen Bedürfnisse reagiert. Sie haben gerade auf dieser Ebene noch viel zu geben“, sagte die sichtlich gerührte Milena Purin bei der heutigen Übergabe der ersten 3 Werke ihres Vaters an die Verantwortlichen des Verbandes der Seniorenwohnheime, welcher die Initiative der Hospizbewegung begleitet und mitträgt. „Wir waren vom Projekt sofort begeistert. Es ist sehr erfreulich, dass Milena Purin den Seniorenwohnheimen einen Teil des künstlerischen Nachlasses ihres Vaters schenkt. Für alle sichtbar, werden die Werke daran erinnern, dass man in der letzten Lebensphase im Heim noch Großartiges leisten kann. Wir bedanken uns im Namen aller Seniorenwohnheime Südtirols von ganzem Herzen”, betont der Präsident des Verbandes der Südtiroler Seniorenwohnheime, Moritz Schwienbacher.

“Oft heißt es: Wir werden nackt geboren und nackt werden wir auch sterben. Ein älterer Mensch, der seinen Lebensabend im Heim verbringt, hat das oft Gefühl, sein Leben sei wie ein leer gewordener Schrank ohne Kleider. Wir können dagegen etwas tun. Wir können zuhören und aufmerksam sein, wir können den Menschen helfen, ihre Ressourcen neu zu entdecken und zu beleben. Dann werden im scheinbar leeren Schrank wertvolle Stücke sichtbar und auch neue Möglichkeiten, dem Leben weiterhin Sinn, Bedeutung und Farbe zu geben“, betonte Renato Decarli von der Caritas Hospizbewegung, welcher das Projekt „Dem Lebensende Farbe geben“ koordiniert.

Die mehr als 200 katalogisierten Werke, Gemälde, Collagen, Drucke und skulpturale Installationen, die der Künstler Guido Morgavi ehrenamtlich katalogisiert hat, werden in den nächsten Monaten an interessierte Seniorenwohnheime übergeben. Sollten weiter Heime interessiert sein, können sie sich gerne melden. Ansprechpartner für das Projekt ist: Hospizbewegung, tel. 0471 304 370, mail hospiz@caritas.bz.it.

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