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„Das andere Südtirol“: Herausforderung Corona

Das Corona-Jahr 2020 war auch für die Caritas eine große Herausforderung: Die Nachfrage nach Hilfe bei materieller und seelischer Not hat zugenommen, besonders bei denjenigen, die schon vorher Schwierigkeiten hatten. Um unter den strengen Sicherheitsauflagen auch weiterhin helfen zu können, mussten sich die 40 Caritas-Dienste in relativ kurzer Zeit aufwändig umorganisieren. So konnte die Caritas im vergangenen Jahr rund 20.000 Personen unterstützen, beraten und begleiten. Tatkräftig unterstützt wurde sie dabei von 1.600 Freiwilligen; davon haben sich knapp 500 neue allein in der Krisenzeit zum Mithelfen gemeldet.

.„Corona ist eine Tragödie, die weltweit Millionen von Menschenleben gefordert hat und weiterhin fordert. Das Virus hat große Teile der Wirtschaft zum Stillstand gebracht, Armut verschlimmert und neue Formen der Bedürftigkeit hervorgebracht“, sagt Caritas-Direktor Paolo Valente. „Die Krise verschärft Ungleichheiten, Einsamkeit, Bildungs- und Beziehungsarmut und stellt alles und alle auf die Probe.“ Auch für die Caritas sei das vergangene Jahr eine Herausforderung gewesen, die sie gemäß ihrem Auftrag angenommen habe: „Wir haben hingehört und hingeschaut, was die Menschen brauchen und neue Wege gefunden, auf ihre Bedürfnisse zu reagieren.“

Sorgen um die Existenz
Dabei ging es für viele Betroffene vordergründig erst einmal um die Sicherung ihrer Existenz. „Kein Geld für Lebensmittel, Miete oder offene Rechnungen zu haben, belastet Betroffene nicht nur aus ökonomischer Sicht, sondern löst auch Ängste und Sorgen um die Zukunft aus, die nicht minder schwer wiegen“, sagt Guido Osthoff, Leiter des Bereiches „Zuhören und beraten“. Deutlich angestiegen ist deshalb die Nachfrage an Rat und Hilfe bei der Caritas Sozialberatung (hier wurden 891 Personen vorstellig) und der Caritas Schuldnerberatung (1.206 Personen), die den Betroffenen mit insgesamt 194.000 Euro auch finanziell unter die Arme gegriffen haben.

Seelische Bedrängnis
Auch die seelische Not hat spürbar zugenommen. Die strengen Sicherheitsauflagen und die auferlegte physische Distanz machten vielen zu schaffen: Trauernden genauso wie Altersheimbewohnern, psychisch Kranken, Alleinerziehenden, Getrennten und Geschiedenen, die plötzlich ihr Kinder nicht mehr sehen durften, aber auch Menschen, die um ihre Arbeit bangten oder sie verloren haben. Alle Beratungsangebote der Caritas, angefangen bei der Telefonseelsorge über die Hospizbewegung, die Männerberatung, das Bahngleis 7 sowie die psychosoziale Beratung, waren telefonisch immer im Einsatz, schenkten den Ratsuchenden ein offenes Ohr und Zuversicht.

„Ein Lichtblick für viele waren da auch die Kinder- und Familienferien der Caritas am Meer, die zum Glück – wenn auch unter Einhaltung strenger Hygieneregeln und reduzierter Plätze – durchgeführt werden konnten. Es war ein Atemholen in dieser für viele strengen Zeit und so sind wir auch glücklich, dass wir trotz anhaltender Krise auch dieses Jahr wieder zahlreiche Kinder, Familien und Senioren diese Möglichkeit anbieten können“, sagt Osthoff für den Bereich „Jugend und Familien“.

Erschwerte Wohnungs- und Arbeitssuche
Ein sicherer Arbeitsplatz und eine feste Bleibe waren schon vor der Pandemie für bestimmte Personengruppen schwer zu finden – diese Schwierigkeiten haben sich durch Corona leider noch verstärkt. „Zu Beginn des Lockdowns durften wir in unseren Einrichtungen für Wohnungslose keine neuen Gäste mehr aufnehmen. Auch die begleitende Arbeit mit den Bewohnern gestaltete sich wesentlich aufwändiger, manchmal leider auch als nicht mehr machbar“, berichtet Danilo Tucconi, Leiter des Bereiches „Wohnen“. „Dabei ist gerade diese Arbeit mindestens genauso wichtig wie eine feste Mahlzeit und ein warmes Bett.“

„Trotz aller Schwierigkeiten aber ist es uns gelungen, einen neuen Dienst, ,Domus‘ genannt, ins Leben zu rufen, der besonders Menschen mit Integrationsschwierigkeiten bei der Arbeits- und Wohnungssuche begleitet“, sagt Tucconi. Darüber hinaus hat sich die Caritas einer weiteren Herausforderung gestellt und gemeistert: Im Auftrag der Gemeinde Bozen hat sie die Führung der Notunterkunft für obdachlose Menschen in der Bozner Stadthalle übernommen.

Stolperstein für die Integration
Corona erwies sich leider auch für die Integration der neuen Mitbürger als besonderer Stolperstein. „Während vor der Pandemie die meisten Asylantragsteller einen Arbeitsplatz hatten, verloren viele durch die Lockdowns ihre Arbeit. In den Lohnausgleich wurden nur wenige gestellt. Vor allem Frauen und Angestellte im prekären Niedriglohnsegment waren betroffen. An Anschluss an die Gesellschaft war durch die auferlegte Distanz gar nicht mehr zu denken“, sagt Alessia Fellin, Leiterin des Bereiches „Aufnahme“. Auch hier habe die Caritas ihre Kräfte aktiviert, Existenzen gesichert und Integrationsprojekte weiterbetrieben, sobald es wieder möglich war.

Solidarität und Gemeinschaft bekommen neuen Stellenwert
„Trotz allem hatte das Corona-Jahr auch was Gutes: Die Solidarität und der Gemeinschaftssinn haben einen neuen Stellenwert bekommen“, sagt Brigitte Hofmann, Leiterin des Bereiches „Caritas&Gemeinschaft“. Durch das Zu- und Hinhören habe die Caritas dank der Hilfe unzähliger Freiwilliger schnell und unbürokratisch auf die Bedürfnisse der Menschen reagieren können, welche die Corona-Krise mit sich gebracht hat. „So haben wir unmittelbar eine Corona-Hotline aktiviert, wo jeder anrufen konnte, einen Einkaufsdienst gestartet, den Druck von Hausaufgaben angeboten und verschiedene andere unterstützende Maßnahmen und Aktionen in die Wege geleitet“, sagt Hofmann. „Ein schönes Zeichen von Nähe und Gemeinschaft stellen die vielen jungen Menschen dar, die sich besonders für ältere Menschen eingesetzt haben; Menschen, die sich in den Dienst an der Gemeinschaft stellen, auch in unseren Pfarreien“. Allein in der Krisenzeit hätten sich knapp 500 neue Freiwillige bei der Caritas zum Mithelfen gemeldet.

Wirken außerhalb des Landes
„Zu Beginn der Pandemie, im Frühjahr 2020, war man noch der Meinung, dass das Virus alle Menschen auf der ganzen Welt gleichermaßen treffen würde. Bald schon aber zeigte sich, dass die Menschen in wirtschaftlich schwächeren Ländern die Folgen der Pandemie noch viel härter zu spüren bekommen haben als die wohlhabenden Länder“, sagt Caritas-Direktor Valente. So habe das Virus in Afrika den Hunger neu erstarken lassen sowie Kindern in den ärmeren Ländern den Schulbesuch verwehrt, wo sie nicht nur Bildung vermittelt bekommen, sondern häufig auch die einzige richtige Mahlzeit am Tag. Und als ob das Virus nicht schon genug gewesen wäre, haben auch noch Naturkatastrophen wie das Erdbeben in Kroatien den Menschen den Boden unter den Füßen entzogen. „Wir haben deshalb unsere Hilfe auch außerhalb von Südtirol auf die Existenzsicherung konzentriert. Bei den Patenschaftsprojekten haben wir den Kindern Hilfe zu Hause zukommen lassen und über das Projekt ,Schenken mit Sinn‘ wurden Soforthilfen geleistet“, sagt Valente.

Dank an Großherzigkeit der Südtiroler Bevölkerung
Die Herausforderung Corona und das Wirken der Caritas in diesem schwierigen Jahr 2020 konnten auch dank der Großzügigkeit der Südtiroler Bevölkerung gut bewältigt werden. „2020 haben 6.594 Spenderinnen und Spender die Arbeit der Caritas unterstützt: Rund 580.000 Euro wurden für Not in Südtirol gespendet, 531.000 für die Corona-Nothilfe und 1,7 Millionen Euro (inklusive der Landes- Regional- und Gemeindebeiträge in Höhe von 315.000 Euro) für Hilfsprojekte außerhalb des Landes. Dafür danken wir allen von Herzen und hoffen auch weiterhin auf das Wohlwollen und die Unterstützung der Bevölkerung gegenüber ihren Mitmenschen und gegenüber dem Tun der Caritas“, schließt Valente den Bericht über das Wirken der Caritas 2020 ab.

Alessia Fellin (v.l.), Guido Osthoff, Brigitte Hofmann, Danilo Tucconi, Paolo Valente, Renata Plattner

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