Trotz Heimweh lernen für die Zukunft
Während des Schuljahres wohnt Clarita im Internat von Pochona. Pochona befindet sich von ihrem Heimatort Calamarca Grande 50 km entfernt. Mit acht Jahren hat sie ihr Dorf zum ersten Mal verlassen. „Ich war sehr traurig“, erzählt sie. Doch es war die einzige Möglichkeit, weiter zur Schule zu gehen und zu lernen. Clarita hat die ersten beiden Schuljahre in einem Nachbardorf absolviert – jeden Tag zwei Stunden Fußmarsch hin und zurück. Ihr machte das nichts aus. Sie ging gern in die Schule; die Buchstaben und Zahlen, die sie im Unterricht kennen lernte, hatten es ihr angetan. Bald konnte sie lesen, schreiben und rechnen.
Danach schien das Schulende gekommen. Alle weiterführenden Schulen lagen zu weit weg, um sie jeden Tag zu Fuß zu erreichen. Clarita hatte sich schon damit abgefunden, ihre Tage auf den Feldern ihrer Eltern zu verbringen, als ihre Lehrerin von dem Internat in Pochona erzählte. Clarita bewarb sich und bekam einen Platz. „Du kannst dort viel lernen und später einen guten Beruf ergreifen“, hat ihre Mutter sie überredet, als Clarita im letzten Augenblick nicht mehr von Zuhause weggehen wollte. Claritas größte Schwierigkeit im Internat war anfangs die spanische Sprache. Zuhause spricht die Familie Quechua, einen Dialekt des Hochlandes. Im Internat wird ausschließlich spanisch gesprochen, weil das auch die Unterrichtssprache in der Schule ist. Zusätzlich werden Spanischkurse angeboten. „Für mich war alles neu. Wie bin ich erschrocken, als ich zum ersten Mal den Wasserhahn aufgedreht habe“, erinnert sich Clarita lächelnd an ihre ersten Wochen im Internat. Zuhause gibt es weder fließendes Wasser noch Strom.
Der Alltag der bolivianischen Landwirte ist für Europäer wie eine Reise in die Vergangenheit. Für die Bauernfamilien ist es ein täglicher Kampf gegen Hunger und Not, denn die Niederschläge werden aufgrund der klimatischen Veränderungen seltener, die Ernten magerer. Immer mehr Menschen sehen sich gezwungen, das Hochland zu verlassen. Vor allem junge Leute suchen ihr Glück in den großen Städten der Tiefebene. Doch ohne Schulbildung enden sie meist in den Elendsvierteln, wo die Not noch größer ist als zuhause. Clarita wird dieses Schicksal nicht teilen. Mit einem Schulabschluss hat sie gute Chancen, eine Arbeit zu finden.
Schule für die Kinder von Cochabamba
Bolivien ist eines der ärmsten Länder Südamerikas. Der größere Teil der knapp acht Millionen EinwohnerInnen leben in Bergregionen auf weit entlegenen Bauernhöfen. Das Kinderpatenschaftsprojekt ABC ist mitten im bolivianischen Hochland in der Region Cochabamba angesiedelt. Aktuellen Schätzungen zufolge leben dort zwischen 230.000 und 250.000 Menschen. 95% von ihnen gehören der Volksgruppe der Quechua an und verdienen ihren Lebensunterhalt mehr schlecht als recht in der Landwirtschaft. Ihre Anbaumethoden und Werkzeuge sind großteils veraltet. Die weiter fortschreitenden Klimaveränderungen bringen verstärkt Dürreperioden. Notwendige Infrastrukturen wie Bewässerungssysteme sind kaum vorhanden. Drittklassiges Saatgut lässt Ernten zusätzlich schrumpfen. Sie reichen oft nicht aus, um satt zu werden bzw. Familien zu ernähren. Immer mehr Menschen sehen sich gezwungen, das Hochland zu verlassen. Sie hoffen auf Arbeit in den Städten. Doch ohne Schul- oder Berufsbildung landen sie meist in den Elendsvierteln. Soziale Grundversorgung ist in Cochabamba - wie auch im restlichen Staatsgebiet - nur sehr begrenzt vorhanden. Der Großteil der Bevölkerung hat keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung oder schulischer Ausbildung. Vor allem die Landbevölkerung lebt abgeschieden. Die wenigen Schulen, Krankenhäuser und sozialen Einrichtungen sind für sie meist schwer zu erreichen. Die Analphabetenrate liegt in der Region von Cochabamba bei 40%.
Das Kinderpatenschaftsprojekt ABC
Die meisten Volksschulen in Cochabamba decken nicht mehr als die ersten beiden Schuljahre ab. Mittel- und Oberschulen gibt es nur in den größeren Städten wie Pojo und Pocona, die je rund 15.000 EinwohnerInnen haben. Beide liegen im Hochland auf über 2.500 m Meereshöhe. Dort unterstützt die Caritas im Rahmen ihres Kinderpatenschaftsprojektes ABC zwei Internate. 150 Buben und Mädchen aus abgelegenen Bauernfamilien werden während des Schuljahres versorgt und können zur Schule gehen. Drei Mal am Tag bekommen sie ein warmes Essen, außerdem Kleider, Bücher, Schulmaterialien und medizinische Versorgung. An den Nachmittagen stehen LehrerInnen für die Hausaufgabenhilfe zur Verfügung. Außerschulisch werden Computerkurse, Theaterwerkstätten, Singen im Chor und verschiedene sportliche Aktivitäten angeboten.
Aufgrund der erhaltenen Bildung haben die Kinder eine Chance, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, einen Beruf zu ergreifen, mitreden und mitgestalten zu können. Manche werden studieren, sich auch politisch einbringen und ihr Volk auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleiten.
Knapp ein Euro am Tag reicht aus, um alle Kosten für ein Kind im Projekt ABC abzudecken. Dazu gehören Unterkunft, Verpflegung, Schulmaterial, Instandhaltungskosten, Heizung und Reinigung der Strukturen, sowie das Gehalt der LehrerInnen und der Köchin.
Ein Kind im Projekt ABC unterstützen Sie mit:
30€ im Monat
180€ alle sechs Monate
360€ im Jahr
oder einem beliebigen, von Ihnen bestimmten Betrag.
Kennwort: Kinderpatenschaft Bolivien
Wer Pate/Patin für ein Kinderpatenschaftsprojekt der Caritas werden möchte, kann die Höhe und die Dauer seiner Spende frei wählen. Die PatInnen legen selbst fest, wie die Zahlung erfolgen soll: einmalige Beträge sind ebenso möglich wie regelmäßige Überweisungen. Die PatInnen sind nicht vertraglich zu einer Zahlung verpflichtet. Sie können die Unterstützung jederzeit und ohne Angabe von Gründen unter- oder abbrechen.
Weitere Informationen: Büro für Auslandsarbeit Caritas Diözese Bozen-Brixen, I-39100 Bozen, Sparkassenstrasse 1 Tel. +39 0471 304 351 Fax +39 0471 304 395, E-Mail:
international@caritas.bz.it
Kontaktperson: Fabio Molon