“Zelle am Platz”: Sensibilisierungsaktion der Caritas zur Situation in den Gefängnissen

“Zelle am Platz”: Sensibilisierungsaktion der Caritas zur Situation in den Gefängnissen
Eine originalgetreue Nachbildung einer Gefängniszelle wird bis zum 18. August an der Ecke Talferbrücke/Quireinerpromenade zu sehen und zu begehen sein. Bei der Initiative „Zelle am Platz“, die gestern vorgestellt wurde, handelt es sich um eine Initiative der Caritas, mit der man den Blick der Öffentlichkeit auf die derzeitige Situation in den italienischen Gefängnissen richten möchte. „Wir wollen damit die derzeitigen Haftbedingungen vor Augen führen, die weit entfernt vom normalen Alltagsleben sind und gleichzeitig aufzeigen, dass es auch andere Möglichkeiten gäbe”, sagt Alessandro Pedrotti, Leiter des Caritas-Dienstes Odos, der sich um die Aufnahme und Wiedereingliederung von ehemaligen Häftlingen kümmert.

Der Caritas-Dienst Odòs hat heute an der Ecke Talferbrücker/Quireinerpromenade die Initiative “Eine Zelle am Platz: Damit die Bürger selbst sehen, wie die Häftlinge derzeit in den Gefängnissen leben” vorgestellt.“ Sie dauert bis 18. August und wird unterstützt vom Ressort für Sozialwesen der Südtiroler Landesverwaltung, der Gemeinde Bozen und der gesamtstaatlichen Vereinigung ehrenamtlicher MitarbeiterInnen im Justizvollzug.
Ziel der Initiative, bei der eine Gefängniszelle an einem öffentlichen Ort aufgestellt wird, ist es, den Problemen in den Gefängnissen eine veränderte Aufmerksamkeit entgegenzubringen. „Derzeit verbringen in den italienischen Gefängnissen 67.000 Häftlinge täglich 20 bis 22 Stunden 365 Tage im Jahr auf engstem Raum”, erklärt Pedrotti, Leiter von Odós, “Die Gefängniszelle wurde von Häftlingen und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Vereinigung „Fraternitá“ von Verona maßstabgetreu nachgebaut. Sie kann betreten, fotografiert und gefilmt werden.” “Die Überfüllung der Gefängnisse schafft große Probleme, ein Umdenken darüber, was das Ziel einer Gefängnisstrafe sein soll und welche Alternativen es sonst gibt, ist unbedingt notwendig”, unterstrichen Renato Bertuzzo und Heiner Schweigkofler, die beiden Direktoren der Caritas Diözese Bozen-Brixen. “Die Caritas ist für Lösungen, die eine Umerziehung der Häftlinge zum Ziel haben.”

“Die hohe Zahl von Inhaftlierten in den italienischen Gefängnissen macht die Situation nicht nur für die Häftlinge unerträglich, sondern auch für das Haftpersonal”, sagt die Vorsitzende der gesamtstaatlichen Vereinigung der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen im Justizvollzug, die bei der Eröffnung anwesend war.

Auch das Bozner Gefängnis ist veraltet und überfüllt. Die Zahlen sprechen für sich: Die Aufnahmekapazität liegt bei 90 Häftlingen, tatsächlich aber ist das Gefängnis im Schnitt mit 150 Häftlingen belegt. „Als Dienst für ehemalige Häftlinge und solche, die eine alternative Haftstrafe abzuleisten aben, treten wir dafür ein, dass beim geplanten Gefängnisneubau auch Möglichkeiten zur sozialen Wiedereingliederung geschaffen werden, die sich hauptsächlich auf Arbeit stützen. Positive Beispiele dafür gebe es bereits, wie z.B. Genossenschaften, die Süßigkeiten oder anderes herstellen,
Freiwillige und Mitarbeiter von Odós werden täglich zwischen 8 und 20 Uhr bei der “Zelle am Platz” anzutreffen sein. Sie stehen den Bürgern für Informationen und Auskünfte zur Verfügung.

Zum Rahmenprogramm gehört weiters eine geführte Besichtigung am Montag, 8. August, um 17.30 Uhr zu Orten, die in Vergangenheit der Gefangennahme dienten. Ausgangspunkt der Führungen mit Walburg Mader ist die „Zelle am Platz“, anschließend geht es weiter zum ehemaligen Pranger am Obstmakrt bis zum heutigen Gefängnis in der Dantestraße und schließlich zum Dienst Odós in der Venedigerstraße. Anschließend werden Freiwillige Texte zum Thema Haft vorlesen. Am Mittwoch, 10 August, findet um 18 Uhr im Haus Odós in der Venedigerstraße 61 in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv ein Themenabend zu Orten der Gefangennahme in der Stadt Bozen statt. Hannes Obermair, Direktor des Stadtmuseums wird dazu eine Konferenz zum Thema “Formen von Gerechtigkeit im historischen Bozen” halten. Die Teilnahme an beiden Initiativen ist frei und kostenlos.

Für weitere Informationen steht Ihnen der Leiter des Dienstes Odós, Alessandro Pedrotti, unter Tel. 0471 054 080 gerne zur Verfügung.



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Kontakt
Caritas Diözese Bozen-Brixen
Sparkassenstraße 1
I-39100 Bozen - Südtirol - Italien
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Fax 0471 973 428
www.caritas.bz.it

 
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