Welttag des Flüchtlings: Integration erfordert die Möglichkeit zur Teilnahme

Flüchtlinge brauchen Unterstützung und Integrationsmöglichkeiten / Die wichtigsten Voraussetzungen um Anschluss an die Gesellschaft zu finden sind Sprachkenntnisse, Zugang zur Arbeitswelt und die Teilnahme an gemeinschaftlichen Aktivitäten / Sport bietet besondere Möglichkeiten zum Kennenlernen und zur Entwicklung von gegenseitigem Respekt.
Millionen von Menschen weltweit verlassen ihre Heimatländer, weil ihnen dort Gefahr für Leib und Leben droht. Anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni ruft die Caritas Diözese Bozen-Brixen zu Sensibilität für die Betroffenen auf. Sie brauchen Unterstützung und Integrationsmöglichkeiten, damit sie sich in Südtirol ein neues Leben aufbauen können. Sportliche Aktivitäten in einer Mannschaft oder einem Verein sind besonders hilfreich, um als Partner wahrgenommen zu werden und gesellschaftlichen Anschluss zu finden. Im letzten Jahr haben 438 Menschen Rat und Unterstützung bei der Caritas Flüchtlingsberatung gesucht. Die meisten von ihnen kamen aus Afghanistan und dem Irak.
“Die Flüchtlingsthematik ist nicht nur in den Ländern des Südens präsent. Zur Zeit unserer Großväter erlebten auch in Europa Millionen von Menschen Terror, Krieg, Hunger und Verfolgung, die heute ganze Familien aus Ländern wie dem Sudan, dem Irak oder Afghanistan zur Flucht zwingen. Tausende Europäer haben damals ihre Heimat verlassen, auf der Suche nach Schutz und Sicherheit in einem anderen Land“, betont Leonhard Voltmer, der Leiter der Caritas Flüchtlingsberatung anlässlich des Welttages des Flüchtlings am 20. Juni. Die Flüchtlingsberatung der Caritas bietet Flüchtlingen und Asylsuchenden in Südtirol bereits seit 19 Jahren Unterstützung und Beistand an. Sie begleitet die Ratsuchenden während des Asylverfahrens. Außerdem hilft sie ihnen, sich im Südtiroler Alltag zu orientieren und Anschluss an die Südtiroler Gesellschaft zu finden. Sie setzt dabei nicht nur auf rechtliche Beratung und Begleitung während des Asylverfahrens, sondern verstärkt auch auf Projekte zur sozialen und gesellschaftlichen Eingliederung. Die vier MitarbeiterInnen der Flüchtlingsberatung geben Informationen zu Schule und Kindergarten, zu Sprachkursen, zum Gesundheitswesen, helfen bei der Arbeits- und Wohnungssuche, begleiten zu Ärzten und haben ein gut funktionierendes Netzwerk mit Sozialsprengeln, PsychologInnen und PsychiaterInnen aufgebaut. „Die von uns betreuten Menschen haben in ihrer Heimat Krieg, Gewalt und Verfolgung erlebt. Sie suchen hier in Südtirol ein Leben in Frieden und Sicherheit, möchten sich integrieren und ihren Teil zum Wohl ihrer neuen Heimat beitragen“, betont Leonhard Voltmer. Der Leiter der Caritas-Flüchtlingsberatung weist in diesem Zusammenhang auf Flüchtlinge hin, die in neuen Heimtländern Großes geleistet haben. „Menschen wie Victor Hugo, Fryderyk Chopin und Albert Einstein haben als Flüchtlinge fern ihrer Heimat gearbeitet und gelebt. Das, was sie der ganzen Menschheit geschenkt haben, ist unbezahlbar und war nur möglich, weil sie in anderen Ländern Schutz und Arbeitsmöglichkeiten gefunden haben“, so der Caritas-Mitarbeiter.
Im Jahr 2009 haben 438 Frauen, Männer und Kinder Hilfe bei der Flüchtlingsberatung der Caritas in der Bozner Marconi-Straße 7 gesucht. Die meisten von ihnen kamen aus Afghanistan und aus dem Irak nach Südtirol. Seit einigen Monaten kommen vermehrt auch Menschen aus Pakistan. „Die meisten von ihnen lebten nahe der Grenze zum Afghanistan, wo sich die Lage aufgrund der Kämpfe zwischen der Terrororganisation Al Qaeda und dem pakistanischem Militär weiter zuspitzt“, erklärt Voltmer.
Die meisten Asylsuchenden, die nach Südtirol kommen, haben eine lebensgefährliche und kräftezehrende Odyssee hinter sich. Wenn sie in die Caritas-Flüchtlingsberatung kommen, werden sie zunächst informiert, dass sie sich bei der Quästur von Bozen melden müssen. Dort können sie ihren Asylantrag stellen, der der zuständigen Gebietskommission in Görz weitergeleitet wird. Es gibt insgesamt zehn Kommissionen in Italien, von denen jede etwa 1700 Asylanträge im Jahr bearbeitet. 2009 bekamen 435 Personen aus Görz eine positive Entscheidung . „Wenn diese Menschen die Aufenthaltsgenehmigung schwarz auf weiß in den Händen halten, haben sie noch einen weiten Weg vor sich, bis sie sich bei uns heimisch fühlen können“, erklärt Leonhard Voltmer. Damit dieses Stück Papier für die Betroffenen Realität wird, sei es notwendig, Rahmenbedingungen zu schaffen, die ihnen eine aktive Teilnahme in der Gesellschaft ermöglichen.
Der erste und gleichzeitig wichtigste Schritt auf dem Weg der Integration ist das Erlernen der beiden Landessprachen. „Unsere KlientInnen besuchen sowohl deutsche als auch italienische Sprachkurse; die meisten machen in sehr kurzer Zeit gute Fortschritte“, berichtet der Leiter der Flüchtlingsberatung. Daneben gelte es, über Praktika und Berufsbildungskurse einen Einstieg in die Arbeitswelt zu finden. Damit auch die gesellschaftliche Integration gelingt, brauche es ein soziales Netz, das die Betroffenen auffängt und ihnen die Integration erleichtert. Sportliche Aktivitäten in einer Mannschaft oder einem Verein sind laut Voltmer besonders hilfreich. „Der gemeinsame Einsatz für ein sportliches Ziel fördert Freundschaften; soziale Netze werden im Mannschafts- und Vereinskontext leichter aufgebaut als außerhalb“, erklärt der Leiter der Flüchtlingsberatung. Daher arbeitet die Caritas-Dienststelle eng mit verschiedenen Vereinen und Organisationen zusammen, die sportlich Interessierte aus anderen Ländern aufnehmen. Eine von diesen ist die Fußballmannschaft der Sportgruppe Excelsior des Vereins „La Strada – Der Weg. „Grundsätzlich kann bei uns jeder mitmachen. Wir spielen in der dritten Amateurliga der Landesmeisterschaft und trainieren zwei Mal in der Woche. Unser vorrangiges Ziel ist aber nicht nur der sportliche Erfolg; wir möchten durch das gemeinsame Spiel vor allem den gegenseitigen Respekt und Gruppensolidarität fördern. Daher gibt es bei uns auch keine Spieler, die nur auf der Bank sitzen. Jeder Spieler ist Teil der Stammmannschaft“, erklärt der Leiter des Projektes, Massimo Antonin.
„Leider gibt es für die Flüchtlinge gerade im sportlichen Bereich dennoch immer wieder finanzielle und bürokratische Hürden, die ihre Teilnahme an den Aktivitäten verzögern oder gar verhindern“, bedauert Voltmer. Eine davon ist die gesetzliche Regelung, laut der Flüchtlinge sechs Monate nach der Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus nicht arbeiten dürfen. „Sie haben dann weder das Geld für den Mitgliedsbeitrag, noch für die Ausrüstung, noch für die nötigen sportärztlichen Visiten. Dazu kommen noch bürokratische Hürden, wie beispielsweise Ansässigkeitsklauseln, bevor eine Einschreibung in den Verein möglich ist“, so der Caritas-Mitarbeiter. Er plädiert für eine Vereinfachung der Aufnahmeregelungen in sportlichen Vereinen im Sinne der Förderung von sozialer Integration.
„Integration ist ein vielschichtiger Prozess, der uns alle in die Pflicht nimmt – ausländische wie auch einheimische MitbürgerInnen“, betont auch Caritas-Direktor Heiner Schweigkofler. Anlässlich des Weltflüchtlingstages plädiert er für Solidarität und Verständnis. „Nur wenn wir Flüchtlinge mit einbeziehen und sie an unserer Gesellschaft teilhaben lassen, wird eine nachhaltige Integration und damit ein fruchtbares Zusammenleben möglich“, so Schweigkofler.
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