Mangel an Teilhabe bedeutet Vereinsamung und Ausgrenzung

Mangel an Teilhabe bedeutet Vereinsamung und Ausgrenzung
Das Europäische Jahr 2010 zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung ist für die Caritas in ganz Europa Anlass, das Randthema in den Mittelpunkt zu rücken. So auch für die Caritas in Südtirol. Sie will heuer vor allem mit Bildungsarbeit und Aktionen für Jugendliche, im Rahmen der Schuldnerberatung und mit einer Kampagne zur Sensibilisierung für Obdachlose auf Armut aufmerksam machen. Um die länderübergreifende Zusammenarbeit sichtbar zu machen, kam zur heutigen Vorstellung auch der österreichische Caritas-Präsident Franz Küberl nach Bozen.

Franz Küberl brachte die derzeitige Lage in Europa mit folgenden Sätzen auf den Punkt: Armut bedeutet für viele Menschen in Europa einen täglichen Kampf ums Überleben. Sie bringt vielfach auch Einsamkeit mit sich. Armut gibt sich oft in unheilvoller Weise mit mangelnder Bildung und damit einem schlechteren Zugang zum Arbeitsmarkt die Hand. Und Armut bedeutet in der Regel auch schlechter informiert oder politisch nicht vertreten zu sein. Ich bin überzeugt: Die politisch Verantwortlichen, aber auch die Zivilgesellschaft und jede und jeder einzelne können etwas gegen die Not tun. 2010 hat die Europäische Union zum Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung erklärt. Ein wichtiges Zeichen gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise. Denn jeder Mensch, der in Armut leben muss, ist einer zur viel.“

Die Caritas hilft. Und bittet mit der Kampagne Zero Poverty Frauen, und Männer Jugendliche und Kinder in Europa und weltweit, sich für Menschen in Not zu engagieren. Küberl weiter „Unsere Vision ist: Zero Poverty - Null Armut. Niemand soll aufgrund ungerechter Zustände in Armut leben müssen. Es braucht eine gemeinsame Kraftanstrengung von politischen Verantwortungsträgern aber auch der Zivilgesellschaft und jeder und jedes einzelnen von uns, um die Kluft zwischen Arm und Reich zu überwinden.“

Armut ist in Südtirol kaum sichtbar und bedeutet in seltenen Fällen, um das nackte Überleben kämpfen zu müssen. „Doch wenn Armut als prekäre Lebenslage wahrgenommen wird, geprägt von finanzieller Knappheit, gesundheitlichen Schwierigkeiten, beengten Wohnverhältnissen und sozialem Ausschluss, dann bekommt Armut auch in Südtirol viele Gesichter“, erklären die Caritas-Direktoren Heiner Schweigkofler und Mauro Randi zum Auftakt des Europäischen Jahres der Armut. Das habe gravierende Folgen für einzelne Menschen und Familien, wie für die Gesellschaft als ganze.

Jeder siebte Haushalt in Südtirol lebt an oder unter der relativen Armutsgrenze. Wobei Armut jeden und jede treffen kann. Dazu die Caritas-Direktoren: „Von Armut bedroht ist, wer arbeitslos oder krank ist, wer ungenügend ausgebildet ist, mehrere Kinder hat, eine Scheidung durchmacht oder Opfer der Wirtschaftskrise wird.“ Armut, so die Caritas, sei vererbbar. Kinder, die aus armen Haushalten stammen, tragen ein hohes Risiko, als Erwachsene selbst wieder zu den Armen zu zählen. Einmal arm, immer arm.

„Die Stärke unserer Gesellschaft muss sich am Wohl der Schwachen messen“, erklären die Südtiroler Caritas-Verantwortlichen. Das Land Südtirol müsse alles unternehmen, um Armut an der Wurzel zu bekämpfen. Darum ruft die Hilfsorganisation dazu auf, in diesem Jahr Armut auf verschiedenen Ebenen zu diskutieren und Solidaritätsarbeit und Nachbarschaftshilfe auszubauen. Um Armut wirksam zu bekämpfen, sind alle gefragt.
Die Caritas führt in Südtirol mehr als zwanzig Fachdienste für Personen in schwierigen Lebenssituationen: für Menschen, die ver- und überschuldet, überlastet, krank oder in Trauer sind; für Frauen und Männer, die auf der Straße leben und ein Dach über dem Kopf suchen; für Menschen, die sich nach einem Gefängnisaufenthalt eine Zukunft aufbauen wollen; die ein warmes Essen brauchen; die an einer Abhängigkeits- oder psychischen Erkrankung leiden; Männer, die in einer Umbruchssituation nicht mehr weiter wissen; Menschen, die am Telefon aufmerksame AnsprechpartnerInnen brauchen; EinwandererInnen und Flüchtlinge, die in Südtirol Schutz und Arbeit suchen. „Die Hilfesuchenden werden ständig mehr“, so Schweigkofler und Randi. Obwohl die Wirtschaftskrise Südtirol scheinbar nur gestreift habe, gebe es viele, die ihre finanziellen Mittel von der Lohnausgleichskasse beziehen, die auf Arbeitssuche sind und sich nutzlos spüren.

Die Caritas wird das Jahr 2010 mit verschiedenen Aktionen begehen. Unter anderem will sie Jugendliche im Rahmen von youngCaritas über Armut sensibilisieren und Möglichkeiten zur Bekämpfung von Armut aufzeigen: im Rahmen von Projekten zur konkreten Nachbarschaftshilfe und mit einem „Laufwunder“ im Mai. Die Schuldnerberatung, die jährlich Zuwachsraten bei den Hilfesuchenden verzeichnet – im vergangenen Jahr waren es mehr als 1.000 Einzelpersonen und Familien – will ihre Präventionsarbeit verstärken und vermehrt in den Schulen und Vereinen präsent sein. Und schließlich will die Caritas im Herbst mit einer Aktion im öffentlichen Raum auf Obdachlose aufmerksam machen, deren es nach offiziellen Schätzungen zwischen 300 und 500 im Land gibt - Menschen, die in prekären Wohnverhältnissen leben, nicht eingerechnet. Sichtbares Zeichen für das Jahr der Armut ist ein Anstecker, der von der Caritas Europa entwickelt wurde und von Interessierten bei der Caritas Diözese Bozen-Brixen, Sparkassenstraße 1 angefordert werden kann. Er trägt die Aufschrift „zero poverty“.
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Caritas Diözese Bozen-Brixen
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