Kinderpatenschaften machen glücklich

Kinderpatenschaften machen glücklich
Essen, Schreiben, Spielen: darauf sollte jedes Kind Anrecht haben. Die Realität sieht jedoch anders aus. Laut Schätzungen der Unicef sind 200 Millionen Kinder weltweit unterernährt. 115.000.000 Kinder können keine Schule besuchen, 500.000 sind Kindersoldaten. 1.200.000 Kinder werden jedes Jahr Opfer von Menschenhandel (Sklaverei, Prostitution, Organhandel). 22.000.000 Kinder unter fünf Jahren sterben an heilbaren Krankheiten, weil ihre Familien sich entsprechende Impfungen nicht leisten können. „Diese Zahlen sprechen für sich, sie fordern auf, etwas dagegen zu unternehmen“, so der Vizedirktor der italienischen Sektion der Caritas Luigi Zenari. Die Caritas weitet daher ihr Kinderpatenschaftsprogramm „Wie schreibt man Zukunft?“ aus. Interessierte PatInnen können zusätzlich zu den insgesamt 340 Kindern in den Projekten in Bolivien, Eritrea und Mazedonien weitere 300 Buben und Mädchen in Brasilien und in Kenia fördern und ihnen eine Chance auf Zukunft geben.

In Brasilien unterstützt die Caritas das Projekt „Olà“, eine Kindertagesstätte im von den ‚Franziskanerschwestern von der Buße’ geführten Zentrum „S. Giovanni Bosco“. Sitz des Projektes ist die Stadt Taquaritinga, in der Provinz São Paulo. Die meisten Einwohner leben von der Arbeit als Tagelöhner auf den umliegenden Zuckerrohrplantagen, Gemüseäckern, Orangen- und Zitronenfeldern. Der Lohn reicht trotz anstrengender Arbeit kaum aus, um satt zu werden. Die Kinder von Taquaritinga bekommen die Not von Klein auf zu spüren. Viele sind tagsüber - auch wenn sie krank sind - auf sich allein gestellt, weil ihre Eltern auf den Feldern arbeiten müssen. Hundert Buben und Mädchen werden an sechs Tagen in der Woche in der Kindertagesstätte betreut. Sie erhalten dort ausgewogene Mahlzeiten und werden gesundheitlich versorgt. Die Größeren lernen lesen und schreiben, damit sie später zur Schule gehen können und nicht als Tagelöhner enden.

Das Kinderpatenschaftsprojekt „New life“ in Kenia ist in Korogocho angesiedelt, einem Elendsviertel von Nairobi. Dort befindet sich der größte Slum Afrikas, der geprägt ist von Armut, Krankheit, Analphabetismus und Gewalt. Die aus Deutschnofen stammende Missionarin Lydia Pardeller führt dort unter anderem das Sozialzentrum „New Life“, in dem 200 Kinder zwischen acht und dreizehn Jahren zur Schule gehen können, täglich ausreichende Mahlzeiten erhalten und medizinisch versorgt werden. „Im Sozialzentrum haben die Kinder eine saubere und geschützte Umgebung und die Chance, genug zu lernen um später aus dem Elend von Korogocho ausbrechen zu können“, erklärt Fabio Molon, der Verantwortliche der Caritas Auslandsarbeit.

Das Kinderpatenschaftsprogramm der Caritas Diözese Bozen-Brixen besteht dank der großzügigen Unterstützung von 475 PatInnen aus Südtirol nunmehr seit sechs Jahren. Im Mai 2004 wurde es vorgestellt. Seit damals sind über 470.000 Euro für die drei Schulprojekte in Mazedonien, Bolivien und Eritrea zusammen gekommen.

Im Projekt „Abc“ in Bolivien haben 448 Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 17 Jahren in zwei Internaten in den Städten Pojo und Pochona die Möglichkeit zum Schulbesuch bekommen. Die Kinder stammen aus armen Bauernfamilien im bolivianischen Hochland, wo die Hälfte der Bevölkerung weder Lesen noch Schreiben kann. Die Schulwege in dieser Region sind lang und nur wenige Familien haben die finanziellen Mittel, um Schulmaterialien für die Kinder ankaufen zu können.

Im Projekt “Seite an Seite” in Mazedonien konnten sich 683 Kinder aus Roma-Familien in der Vorschule des Armenviertels Topaana in Skopje zwei Jahre lang auf die staatliche Schule vorbereiten und den begleitenden Nachmittagsunterricht besuchen. Fast alle haben bisher gute Lernerfolge in der staatlichen Schule erreicht. Nur 16 Kinder haben die Schule abgebrochen – 11 davon aufgrund eines Wohnsitzwechsels. „Das ist ein beachtliches Ergebnis wenn man bedenkt, dass im Schnitt nur 9% der Roma-Kinder in Ex-Jugoslawien aufgrund mangelnder Kenntnis der mazedonischen Amtssprache die Pflichtschule beenden“, freut sich Molon über den Erfolg.

In Eritrea wurden im Rahmen des Projektes „Am dam des“ bisher 646 Kinder im Kindergarten des Städtchens Tokonda betreut und auf die Schule vorbereitet. Jeden Tag bekommen die Buben und Mädchen dort sauberes Trinkwasser, ein Glas Milch, Brot und Obst, was im von Dürre und Krieg geplagten Eritrea alles andere als selbstverständlich ist.

Der Caritas ist es wichtig, dass die Kinder in den Patenschaftsprojekten nicht aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen werden oder in Abhängigkeitsverhältnisse mit den PatInnen geraten; dass sie beispielsweise die Schule abbrechen müssen, wenn ein Pate oder eine Patin die Unterstützung abbricht. Deshalb werden den Südtiroler UnterstützerInnen von der Caritas keine einzelnen Kinder zugewiesen. Wer eine Patenschaft für ein Jahr übernimmt, unterstützt das Gesamtprojekt und kann seinen Beitrag frei wählen. Als Orientierungshilfe hat die Caritas die anfallenden Spesen pro Kind und Jahr ausgerechnet. Weniger als ein Kaffee pro Tag reicht, um ein Kind in einem der Caritas-Projekte in Bolivien (360 € pro Jahr), Brasilien (336 € pro Jahr), Eritrea (354 € pro Jahr), Kenia (216 € pro Jahr) oder Mazedonien (360 € pro Jahr) zu unterstützen. Jedes Jahr bekommen die PatInnen einen Bericht über die Entwicklungen in dem von ihnen unterstützten Projekt. Auch können Interessierte jederzeit Einsicht in die Unterlagen der Caritas nehmen. Dort sind alle Namen der unterstützten Kinder aufgelistet. Informationen aus erster Hand bekommen Interessierte außerdem über Freiwillige, die die Projekte selbst besucht und zum Teil auch dort mitgearbeitet haben. Sie sind bereit, in Südtirols Pfarreien, Vereinen und Organisationen über die Patenschaftsprojekte zu berichten. „Wer Interesse hat, kann die die Projekte gerne selbst besuchen“, erklären Heiner Schweigkofler und Luigi Zenari.

„Ich bin überzeugt, dass auch die Kinder in Kenia und Brasilien mit der Unterstützung und Solidarität der SüdtirolerInnen rechnen können. Die vergangenen sechs Jahre haben gezeigt, dass viele bereit sind, einen Beitrag zu leisten, damit Kinder und Jugendliche ohne genügend Nahrung, medizinische Betreuung und ohne Schulbildung nicht ihrem Schicksal überlassen bleiben“, bedanken sich die Caritas-Verantwortlichen. Dank der großzügigen Unterstützung des Raiffeisenverbandes kann die Caritas Drucksorten wie Informationsbroschüren und Plakate zu den Kinderpatenschaften drucken, ohne dafür Spendengelder zu verwenden. „Es ist uns ein Anliegen, dass 100% der Spende in den Projekten ankommen“, so Direktor Schweigkofler, der sich beim Generaldirektor des Raiffeisenverbandes für dessen Sensibilität diesem Thema gegenüber herzlich bedankt..

Wer eine Kinderpatenschaft übernehmen oder weitere Informationen zum Thema haben möchte, findet diese im Internet unter www.caritas.bz.it. Die MitarbeiterInnen der Caritas stehen auch telefonisch oder persönlich in der Sparkassenstraße 1 unter Tel. 0471 304 351 oder via E-Mail: international@caritas.bz.it zur Verfügung.
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Kontakt
Caritas Diözese Bozen-Brixen
Sparkassenstraße 1
I-39100 Bozen - Südtirol - Italien
Tel. 0471 304 300
Fax 0471 973 428
www.caritas.bz.it

 
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