Die Caritas stellt die 21. Auflage des Statistischen Dossiers zur Einwanderung vor

Die Caritas stellt die 21. Auflage des  Statistischen Dossiers zur Einwanderung vor
Zeitgleich mit weiteren 24 italienischen Städten hat die Caritas Diözese Bozen-Brixen heute Vormittag im Bozner Cristallo-Theater das statistische Dossier zur Einwanderung 2011 vorgestellt. Caritas Italiana und Stiftung Migrantes geben dieses Statistikbuch mit Daten, Trends und Hintergründen zur Einwanderung in Italien heuer zum 21. Mal heraus. Es steht unter dem Motto “Gemeinsam die Krise bewältigen”. „EinwandererInnen sind durchschnittlich jünger als italienische StaatsbürgerInnen. Sie werden die Zukunft unseres Landes mitgestalten. Es gilt daher, die derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen gemeinsam in Angriff zu nehmen“, betonten die Caritas-Direktoren Heiner Schweigkofler und Renato Bertuzzo bei der heutigen Pressekonferenz. Die Zahlen und Daten zur Einwanderung in Südtirol haben die beiden Soziologen und Mitautoren des Dossiers, Paolo Attanasio und Matthias Oberbacher, vorgestellt.

“Gemeinsam die Krise bewältigen” lautet das Motto der 21. Auflage des Statistischen Dossiers zur Einwanderung, welche die Caritas heute Vormittag im Cristallo-Theater in der Bozner Dalmatienstraße 30 vorgestellt hat. Die von der Caritas Italiana und der Stiftung Migrantes herausgegebene Studie bündelt jedes Jahr die wichtigsten Daten rund um Einwanderung in Italien und listet Zahlen und Fakten zu den einzelnen Provinzen auf. Mit dem heurigen Motto weist das Statistikbuch unter anderem auf die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise hin, von der die EinwandererInnen ganz besonders betroffen sind. Ein Fünftel aller Arbeitslosen in Italien sind eingewanderte MitbürgerInnen. Dennoch sind die Abgaben an den Staat, die die Menschen aus anderen Ländern insgesamt leisten, weitaus höher als die Unterstützung, die sie erhalten. Auch deshalb sind Einwanderer aus Wirtschaft und Gesellschaft nicht mehr wegzudenken.

Die Caritas-Direktoren Heiner Schweigkofler und Renato Bertuzzo sprachen sich bei der heutigen Vorstellung der Studie für mehr konkrete Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit im Hinblick auf Einwanderung aus. “Das Vorurteil, dass eingewanderten MitbürgerInnen der autochtonen Bevölkerung die Arbeitsplätze wegnehmen und dass sie mehr soziale Unterstützung bekommen, ist in Südtirol leider weit verbreitet”, so die Schweigkofler und Bertuzzo. Um dem zu begegnen müssten Rechte und Pflichten ganz klar definiert und angesprochen werden. „Wir müssen uns auf den Menschen konzentrieren, nicht auf seine Abstammung. Wenn heute EinwandererInnen ihrer Rechte beraubt werden, kann das zukünftig auch anderen BürgerInnen passieren“, gaben die Caritas-Direktoren zu bedenken. Die Daten aus dem Dossier machen laut Schweigkofler und Bertuzzo deutlich, dass es aus der Krise – nicht nur in wirtschaftlicher Sicht - nur einen gemeinsamen Ausweg gebe.

Die Caritas-Direktoren gingen auch auf das Einwanderungsgesetz ein, das der Südtiroler Landtag am vergangenen Samstag verabschiedet hat. „Es ist ein Start in die richtige Richtung. Es zeigt, dass die Integration den politisch Verantwortlichen ein Anliegen ist und dass sie bestrebt sind, fremdenfeindlichen Tendenzen im Land entgegenzuwirken“, so Schweigkofler und Bertuzzo. Sie bedauerten allerdings, dass rigide Regeln bestehen geblieben sind, wie beispielsweise die fünfjährige Ansässigkeitspflicht für nicht-EU-BürgerInnen als Voraussetzung für den Zugang zu bestimmten Sozialleistungen. „Für Menschen, die diese Bedingungen nicht erfüllen, sind Non-Profit-Organisationen wie die Caritas der einzige Rettungsanker in Notsituationen. Den öffentlichen Stellen sind durch diese Gesetze die Hände gebunden, auch wenn Hilfe dringend nötig wäre“, so die Caritas-Direktoren.

Paolo Attanasio und Matthias Oberbacher, Sozialwissenschaftler und im Einwandererdossier für den Südtiroler Lokalteil zuständig, haben folgende Daten präsentiert: Die Zahl der in der Autonomen Provinz Bozen wohnhaften EinwandererInnen ist im Jahr 2010 um 6,5% angestiegen; im Vorjahr hatte der Zuwachs noch 7,9% betragen. Insgesamt waren am Ende des vergangenen Jahres 41.699 Frauen, Männer und Kinder aus dem Ausland in Südtirol ansässig. Dabei wurden jene 3.500 EinwandererInnen nicht mitgezählt, die in den vergangenen zehn Jahren die italienische Staatsbürgerschaft erhalten haben. Zwei Drittel der AusländerInnen stammen aus anderen Ländern Europas, die Hälfte davon aus einem EU-Mitgliedsstaat. 15,8% der EinwandererInnen kommen aus dem asiatischem Raum, 4,5% aus Nord- und Südamerika. 12,7% aller Immigranten in Südtirol stammen aus Albanien, 11% aus Deutschland und 8,1% aus Marokko.

Das Durchschnittsalter der eingewanderten MitbürgerInnen ist mit 33,1 Jahren deutlich niedriger als das der SüdtirolerInnen mit 41,2 Jahren. In Südtirol ansässige Frauen aus dem Ausland brachten im Jahr 2010 durchschnittlich 2,42 Kinder zur Welt, Südtirolerinnen 1,47. „Diese Daten zeigen, dass eingewanderte Menschen an eine gemeinsame Zukunft hier in Südtirol glauben“, betonte Paolo Attanasio, Mitautor des Dossiers.

Ingesamt 6.820 Kinder aus Einwandererfamilien besuchten im vergangenen Jahr Grund-, Mittel- und Oberschulen – fast 500 mehr als im Jahr 2009. Der Anteil von Ausländerkindern betrug in den italienischen Schulen 19,4%, in deutschen 5% und in ladinischen 2,9%. “Vergleicht man die Neueinschreibungen an Südtirols Grundschulen, stellt man aber fest, dass die Zahlen der Einwandererkinder in den deutschen Schulen zunehmen und die Unterschiede zu den italienischen Schulen geringer werden”, so Matthias Oberbacher. Der Mitautor des Dossiers zeigte sich allerdings besorgt über den geringeren schulischen Erfolg von Einwandererkindern vor allem in den Mittel- und Oberschulen. „Die Gründe dafür müssen sicher noch näher untersucht werden“, erklärt Oberbacher.

Arbeitslosigkeit trifft wie in ganz Italien auch in Südtirol besonders die EinwandererInnen. Die Arbeitslosenrate unter den ausländischen MitbürgerInnen mit 11,5% fast dreimal so hoch wie unter den SüdtirolerInnen (4%). „Einwanderer sind viel häufiger als Einheimische mit befristeten Arbeitsverträgen angestellt. Der Vertrag wird nach Auslaufen einfach nicht mehr verlängert“, erklärt Paolo Attanasio. Andererseits seien viele Einwanderer alleine in Südtirol und fallen mit den Punkten auf der Rangordnung der Lohnausgleichskasse zurück, weil sie als allein stehend eingestuft sind. „Auch wenn sie in ihrer Heimat Ehepartner und Kinder haben”, unterstreicht Paolo Attanasio. “Ein Angestellter mit einer Familie zu Lasten wird nicht so schnell in den Lohnausgleich geschickt wie ein Alleinstehender.” Er ergänzt: “Die Krise hat viele italienische Arbeitnehmer schwer getroffen; noch schwerer belastet sie allerdings die Einwanderer.” Und das wirke sich auch auf die Situation der Familien in der Heimat aus. Die Überweisungen in die Heimatländer von 27.607.000 Euro im Jahr 2009 sei im vergangenen Jahr auf 25.325.000 Euro und damit um 8,2% gesunken.

Was die Sicherheit am Arbeitsplatz betrifft, so ist die Situation in Südtirol allarmierend. Im Vergleich zu 2009 meldete das INAIL 2010 einen Anstieg von 2,9% an Arbeitsunfällen, in den anderen italienischen Provinzen sank diese Zahl im Vergleich zum Vorjahr um insgesamt 1,9% ab.
Betrachtet man allein die ausländischen Erwerbstätigen, so ist die Anzahl der Arbeitsunfälle in Südtirol um 7,1% angestiegen, während der Anstieg auf nationaler Ebene bei 0,8% lag. Aufgeschlüsselt auf die einzelnen Wirtschaftssektoren ist die Zahl der Unfälle ausländischer MitarbeiterInnen in Industrie- und Dienstleistungsunternehmen um 7,7% angestiegen und in der Landwirtschaft um 3,3% gesunken. „Laut diesen Daten ist Risiko für Arbeitsunfälle für Einwanderer größer als für SüdtirolerInnen“, stellte Paolo Attanasio fest.

Das Caritas-Dossier zur Einwanderung ist bei der Caritas in der Sparkassenstraße 1 in Bozen um 20 Euro erhältlich. Interessierte melden sich bei Chiara Facchinetti unter Tel. 0471 067 400 (im 2. Stock).
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