Zukunfts- und Existenzängste nehmen in der Südtiroler Bevölkerung zu. Das geht aus der Statistik 2011 der Caritas Telefonseelsorge hervor. Durchschnittlich zwanzig bis dreißig Mal täglich heben dort die 64 gut ausgebildeten Freiwilligen den Hörer ab, um Menschen in belastenden Lebenssituationen einfühlsame, verschwiegene AnsprechpartnerInnen zu sein. Im vergangenen Jahr 2011 sind insgesamt 8.500 Anrufe bei der Grünen Nummer 840 000 481 eingegangen; die Gesprächsdauer betrug 2.215 Stunden. 55 Prozent der Anrufenden waren zwischen 20 und 39 Jahre alt, über 44 Prozent von ihnen waren Männer. „Auffallend ist, dass viele AnruferInnen über Ängste, Panikattacken und Selbstzweifel klagten“, berichtet die Leiterin der Telefonseelsorge, Silvia Moser. Dieser Themenkreis habe im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte zugenommen.
Insgesamt 8.500 Mal hat in der Caritas-Telefonseelsorge im vergangenen Jahr das Telefon geklingelt – zu jeder Tages- und Nachtzeit. 64 gut ausgebildete ehrenamtliche MitarbeiterInnen sorgten dafür, dass die grüne Nummer 840 000 481 nicht eine Stunde lang unbesetzt blieb. Zahlreiche Südtiroler Frauen und Männer aus allen Landesteilen und aller Altersgruppen haben das Angebot des Caritas-Dienstes genutzt. Etwa 55 Prozent der Anrufenden gehörten der Altersstufe zwischen 20 bis 39 Jahre an, 25 Prozent der Gruppe der 40- bis 59jähren. Wer vermutet, dass weitaus mehr Frauen die Telefonseelsorge beanspruchen, den belehren die Zahlen der telefonischen Anlaufstelle der Caritas eines Besseren: Im Jahr 2011 waren es 44,5 Prozent Männer und 54,55 Prozent Frauen, die die Grüne Nummer 840 000 481 wählten. Für etwa die Hälfte der Anrufenden war ein kürzerer oder längerer Gesprächskontakt mit der TS mehrmals pro Woche wichtig. Gleichzeitig ist die Zahl der Erstanrufenden im vergangenen Jahr um fast acht Prozent angestiegen. Fast die Hälfte der Anrufenden ließ sich aufgrund des geschilderten Kontextes oder des Dialektes dem Burggrafenamt zuordnen, 14,5 Prozent dem Pustertal, 10 Prozent dem Raum Bozen und 3,5 Prozent dem Vinschgau.
Wo die Anrufenden der Schuh drückte, wird in der eben erschienen
Jahresstatistik 2011 des Caritas-Dienstes deutlich: wie in den Vorjahren kreisten auch 2011 fast die Hälfte der Gespräche rund um die Einsamkeit in ihren verschiedenen Facetten. „Häufig wurde in diesem Zusammenhang auch eine Nähe zu Depressionen, sonstigen psychischen Leiden oder Burn-Out-Phänomenen ausgemacht“, berichtet die Leiterin der Telefonseelsorge, Silvia Moser.
Bedenklich stimmt Moser aber die eindeutige Zunahme der AnruferInnen, denen Zukunfts- sowie Existenzängste bis hin zu Paniksymptomen das Leben schwer machen. Ihre Zahl hat im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte zugenommen. „Diese Menschen, die äußerlich zwar funktionieren, weil sie ja funktionieren müssen, da es in Job, Familie und Freizeit einfach gefordert ist, stehen innerlich oft am Rande eines Abgrundes und haben mit massiven Ängsten und Selbstzweifeln zu kämpfen“, erläutert die Caritas-Mitarbeiterin. Natürlich könne auch die Telefonseelsorge keine vorgefertigten Lösungen anbieten. „Wir haben aber schon oft genug erlebt, dass im Gespräch Vieles klarer und überschaubarer wird und die Anrufenden dadurch den Mut für einen ersten Schritt in Richtung Veränderung fassen.“
Die beiden Caritas-Direktoren Heiner Schweigkofler und Pio Fontana schildern die Aufgabe der Telefonseelsorge als einen Dienst, der immer wieder mit der „anderen“ Seite des sogenannten „erfolgreichen Südtirol“, der „Seite jenseits der Hochglanzbroschüren“ in Kontakt kommt. „Wir möchten diesen Menschen – und es sind derer wahrlich nicht wenige – eine Stimme geben, ihnen Gehör verschaffen, damit ihre Einsamkeit und ihre Probleme nicht noch größer werden,“ so Schweigkofler und Fontana. Denn schlussendlich bräuchten Menschen in Not die Anteilnahme und Zuwendung der gesamten Gesellschaft. Es komme drauf an, im konkreten Alltag auf die Vielzahl der seelischen Nöte zu reagieren – als NachbarInnen, als PartnerInnen, als ArbeitgeberInnen, aber auch als Verantwortliche in Politik, Sozialwesen und Kirche.
Das Freiwilligenteam der Telefonseelsorge steht indes weiterhin rund um die Uhr zur Verfügung. Die gut ausgebildeten einfühlsamen AnsprechpartnerInnen sind unter der Grünen Nummer 840 000 481 zur Gebühr von 10 Cent pro Anruf (unabhängig von der Dauer des Gesprächs) erreichbar.