Die Männerberatung der Caritas Diözese Bozen-Brixen wird zehn Jahre alt. Seit ihren Anfängen hat sich die italienweit einzige Beratungsstelle speziell für Männer zu einem fixen Bezugspunkt für Südtiroler Männer in schwierigen Lebenssituationen entwickelt. 3.450 Männer aus ganz Südtirol haben in den vergangenen zehn Jahren psychologischen und rechtlichen Rat gesucht. Jedes Jahr kommen durchschnittlich 340 neue Klienten dazu. „Viele Männer haben mit den sich verändernden Rollenbilder in Familie und Gesellschaft zu kämpfen. Deshalb haben wir die Männerberatung vor zehn Jahren eröffnet“, erklären die Caritas-Direktoren Heiner Schweigkofler und Renato Bertuzzo. Seither wurden über 14.500 Beratungsgespräche geführt. Dabei ging es vielfach um Beziehungsfragen, Abhängigkeit, Gewalt, Schwierigkeiten bei der Arbeit und Trennungsproblematiken. Ihr zehnjähriges Bestehen feiert die Männerberatung gemeinsam mit Netzwerkpartnern und betreuten Männern am 26. Oktober mit einer Podiumsdiskussion und anschließendem Umtrunk im Rahmen des „Bildungscafè“ in der Lichtenburg in Nals.
Von Mann zu Mann über dessen Ängste, Nöte und Sorgen reden – mit diesem Ziel wurde vor zehn Jahren die Männerberatungsstelle der Caritas Diözese Bozen-Brixen gegründet. „Inzwischen hat sie sich zum Erfolgsmodell entwickelt“, ziehen die Caritas-Direktoren Heiner Schweigkofler und Renato Bertuzzo bei der heutigen Pressekonferenz positive Bilanz. 3.450 Männer haben seither Rat und Hilfe gesucht, Tendenz steigend. „Das ist mehr als erwartet“, so die Direktoren. Jährlich kämen ca. 340 neue „Klienten“ dazu. Insgesamt 14.500 Beratungsgespräche haben die Männerberater in den vergangenen zehn Jahren geführt. Jedes Jahr wird die Beratungsstelle etwa 5.000 Mal telefonisch kontaktiert. Beratungen werden inzwischen nicht nur in Bozen, sondern auch in Brixen und Meran angeboten.
Initiiert wurde die italienweit erste Männerberatungsstelle von der Projektgruppe „Männer für Männer“, einem Arbeitskreis von Einrichtungen und Organisationen wie Katholische Männerbewegung, Katholischer Familienverband, Ehe- und Erziehungsberatung, ASDI und Caritas. Unter der Leitung des damaligen Vorsitzenden der Katholischen Männerbewegung, Peter Plattner und der finanziellen Unterstützung des Amtes für Frau Familie und Jugend der Autonomen Provinz Bozen hat diese Projektgruppe damals Neuland betreten „Männer galten als ein schwierig zu erreichendes Klientel für Beratungsangebote“, erklären Schweigkofler und Bertuzzo. Aber es habe sich herausgestellt, dass es vielen Männern relativ leicht fällt, in die Männerberatung zu gehen und dort offen über Probleme zu reden.
Die Anliegen der Männer sind ganz unterschiedlich. An erster Stelle stand von Anfang an die Trennungsproblematik. „Während früher die Männer erst zu uns gekommen sind, als der Gerichtstermin schon feststand, suchen sie nun schon im Vorfeld Rat und Hilfe“, sagt der Leiter der Männerberatung, Stefano Favaretto. Doch auch die veränderte Rolle des Mannes innerhalb der Gesellschaft und der Familie macht vielen zu schaffen. „Mit zunehmender Emanzipation der Frau finden sich viele Männer nicht mehr zurecht - sei es als Ehemann oder Vater. Sie tun sich schwer, sich der veränderten Situation anzupassen“, sagt Favaretto. Des weiteren belasten Beziehungsprobleme die Männer, gefolgt von Gewalt und Sexualität. Doch auch die Wirtschaftskrise ist an den Männern nicht spurlos vorbeigegangen; viele fürchten, ihrer Rolle als Ernährer der Familie nicht mehr gerecht werden zu können.
Das Alter der ratsuchenden Männer liegt zwischen 35 und 45 Jahren. „Sie kommen aus dem ganzen Land, wobei ein leichter Anstieg bei den Männern aus dem ländlichen Raum zu erkennen ist“, sagt Favaretto. Die meisten der ratsuchenden Männer sind verheiratet und gehen einem Beruf nach. Viele sind Handwerker oder Angestellte der öffentlichen Verwaltung, es finden sich aber auch Führungskräfte, Unternehmer etc. unter den Personen, die sich an die Beratungsstelle wenden.
Die Beratung erfolgt je nach Bedarf in beiden Landessprachen. Dafür stehen der Männerberatungsstelle sechs Psychotherapeuten und ein Rechtsanwalt zur Seite. Die Beratung ist auf fünf Sitzungen pro Mann begrenzt. „Oft geht es auch mit weniger ab, ab und zu braucht es mehr. Manche Männer fühlen sich schon besser, wenn sie sich einmal aussprechen können“, berichtet Favaretto. Wenn notwendig, werden die Männer an andere Beratungs- und Dienststellen weitervermittelt und umgekehrt vermitteln diese Hilfe- und Ratsuchende an die Männerberatung weiter. Bei Bedarf werden auch die Frauen in die Beratung der Männer miteingebunden. „Meistens sind es die Frauen, die ihre Männer ermutigen, die Beratungsstelle aufzusuchen“, sagt Favaretto. Immer wieder ermutigen auch Männer, die bereits Hilfe erfahren haben, andere Männer, zu uns in die Beratungsstelle zu kommen.“
Seit heuer bietet die Männerberatung in Zusammenarbeit mit dem Amt für Frau, Familie und Jugend auch Anti-Gewalt-Trainings für Männer an, die zu körperlicher Gewalt und zu Stalking neigen. Im Training lernen die Teilnehmer, ihr Verhalten zu überdenken und die Auslöser ihrer Gewaltausbrüche zu ermitteln. Sie erproben konkrete Werkzeuge und Techniken, die ihnen in der Konfliktsituation helfen, ihre Impulse zu kontrollieren und die eigenen Ressourcen – emotional und verbal – erfolgreich einzusetzen. Das Training wird in deutscher und in italienischer Sprache angeboten.
Ihr zehnjähriges Bestehen feiert die Männerberatung am 26. Oktober 2011 ab 18.30 Uhr im Rahmen des Bildungscafès in der Lichtenburg in Nals gemeinsam mit den betreuten Männern, den Netzwerkpartnern und Interessierten. Geplant ist eine Podiumsdiskussion zum Thema “Der Mann gestern und heute”, an der sich alle Männerberater beteiligen. Sie wird von der Rai-Journalistin Yvonne Miracolo moderiert. Danach folgt ein Umtrunk mit Buffet
Die Caritas Männerberatung in Bozen, Gumerplatz 6 oder Lauben 9, ist von Montag bis Mittwoch von 15.00 bis 18.00 Uhr unter Tel. 0471 324 649 oder via E-Mail:
mb@caritas.bz.it erreichbar.