570 SchülerInnen haben ihr Geld im Griff

Der richtige Umgang mit Geld will gelernt sein. Das haben im vergangenen Schuljahr 570 Ober- und BerufsschülerInnen erfahren, die in ihren Klassen den „Südtiroler FinanzFührerschein“ erworben haben. Er wird seit einem Jahr von der Caritas Schuldnerberatung gemeinsam mit dem Deutschen Schulamt, der deutschen und ladinischen Berufsbildung und dem Pädagogischen Institut in deutschen Ober- und Berufsschulen angeboten. In drei Unterrichtseinheiten setzen sich die SchülerInnen dabei aktiv mit dem Umgang mit Geld auseinander. Die Themenpalette reicht von der Budgetplanung über Infos zu altersspezifischen Geldfallen und zum Umgang mit Bankprodukten und Krediten bis hin zur Schuldenvermeidung. Bei einer Pressekonferenz am heutigen Vormittag zogen die Projektverantwortlichen eine durchwegs positive Zwischenbilanz: SchülerInnen und LehrerInnen bewerteten sowohl die Inhalte, als auch die Unterrichtsform mit Bestnoten. Die Nachfrage von Seiten interessierter Lehrpersonen ist auch im laufenden Schuljahr dementsprechend hoch.
Die ersten, die den „Südtiroler FinanzFührerschein“ in den Händen hielten, waren 20 SchülerInnen der 2 Klasse der Hotelfachschule Bruneck, die am 6. Oktober 2010 die allererste Unterrichtseinheit in Südtirol absolviert haben. Im Laufe des Schuljahres 2010/11 folgten 570 weitere Berufs- und OberschülerInnen. Das Interesse am Projekt zur Schuldenprävention für Jugendliche und junge Erwachsene war von Anfang an höher als erwartet. „Eine Woche nach der Präsentation des Südtiroler FinanzFührerscheins im September 2010 waren wir bereits für das gesamte Schuljahr ausgebucht. Von 80 Anfragen konnten wir 37 annehmen“, sagte der Schuldnerberater und Koordinator des Finanzführerscheins Werner Niederbrunner bei der heutigen Pressekonferenz. Das Kontingent für das laufende Schuljahr sei ebenfalls schon fast voll.
Der „Südtiroler Finanzführerschein“ wird von der Caritas Schuldnerberatung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Schulamt, der deutschen und ladinischen Berufsbildung und dem Pädagogischen Institut angeboten. „Gemeinsam können wir in den Schulen viele junge Menschen erreichen und sie auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld im Erwachsenenleben vorbereiten“, bedankten sich die beiden Caritas-Direktoren Heiner Schweigkofler und Renato Bertuzzo für die Zusammenarbeit. Das sei in wirtschaftlich unsicheren Zeiten besonders wichtig.
Erwerben können den Finanzführerschein SchülerInnen der zweiten und vierten Oberschulklassen sowie BerufsschülerInnen. Sie setzen sich dabei mit Budgetplanung und Bankprodukten auseinander, lernen alle anfallenden Kosten für ein Motorrad oder ein Auto einzuschätzen, bekommen Einsicht in altersspezifische Geldfallen, wie sie beispielsweise Handy- und Internetgebrauch in sich bergen. Drei aufeinander aufbauende Einheiten zu je zwei Schulstunden sind dafür nötig. Die erste und die dritte Einheit gestalten die Schuldnerberater der Caritas, die zweite Einheit führen die LehrerInnen mit verschiedenen methodisch-didaktischen Materialien der Schuldnerberatung durch.
Beim FinanzFührerschein geht es aber nicht um reine Wissensvermittlung. „Die Jugendlichen sollen sich aktiv einbringen und lernen, sich mit Geld, Werbung und möglichen Schuldenfallen kritisch auseinander zu setzen. Dadurch kann das Gelernte nachwirken und helfen, Schuldenproblemen vorzubeugen“, erklärt Werner Niederbrunner. Die Inhalte werden daher weniger durch Frontalunterricht, als vielmehr über Haushaltsgeldsimulationen, praktische Übungen und Diskussionen vermittelt. Dieses Konzept ist bisher aufgegangen. Fast 70% der FinanzFührerschein-AbsolventInnen gaben an, das Gelernte im Alltag umsetzen zu wollen. Insgesamt bewerteten sie den Finanzführerschein mit durchschnittlich 80 von 100 möglichen Punkten im Hinblick auf die Inhalte, Aktualität und praktische Relevanz.
Ein positives Resümee kommt auch von Seiten der LehrerInnen. Sie bewerteten den Praxisbezug mit 87 von 100 Punkten und die sprachliche Form, Layout und Inhalte der Unterlagen mit durchschnittlich 90 Punkten. Fachkenntnisse und Vortragsstil des Referenten wurden im Schnitt mit 92 Punkten benotet. „Einige Lehrpersonen waren selbst erstaunt über das große Interesse und die starke Mitbeteiligung der SchülerInnen. Sie haben auch angedeutet, das Thema weiter vertiefen zu wollen“, berichtete die Schulinspektorin für das deutsche Schulamt, Eva Maria Brunnbauer. Ideen gäbe es dafür bereits viele. So wollen manche LehrerInnen mit ihren Klassen einer Zwangsversteigerung beiwohnen und kritische Fragen für einen Besuch bei einer Bank ausarbeiten „Das Thema wirkt auf jeden Fall in den Klassen nach und das ist gut so“, sagte Brunnbauer.
Die Landesrätin für Bildung und deutsche Kultur, Sabina Kasslater Mur, begrüßte das verstärkte Engagement zur Schuldenprävention in den Schulen: „Die Verlockungen unserer Konsumgesellschaft machen den Umgang mit Geld immer schwieriger, auch für Jugendliche. Umso wichtiger ist es, dass der Themenbereich Jugend und Geld auch in den Schulen zum Tragen kommt und professionalisiert wird. Ein finanzielles Basiswissen hilft den jungen Menschen, mit ihren Geldmitteln verantwortungsbewusst umzugehen“.
Auch der Leiter des Deutschen Bildungsressorts, Peter Höllrigl, zeigte sich sehr zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen: „Ein erstes Ziel des Projekts ‚Südtiroler FinanzFührerschein‘ haben wir erreicht, nämlich die Schulen für den Themenbereich Jugend, Geld und Schuldenvermeidung zu sensibilisieren.“ Ein nächster Schritt sehe nun vor, die Lehrpersonen im Bereich Schuldenprävention gezielt fortzubilden und die Thematik nachhaltig im Curriculum der Schulen zu verankern. „Damit leisten die Schulen einen wertvollen Beitrag zur Vermeidung von Geld- und Schuldenproblemen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen“, so der Schulamtsleiter und Ressortdirektor.
Der Südtiroler Finanzführerschein wird heuer in deutschen Ober- und Berufsschulen angeboten. Eine Zusammenarbeit mit italienischen Schulen und Fachschulen für Hauswirtschaft ist angedacht.
Restplätze für das laufende Schuljahr können direkt bei der Schuldnerberatung gebucht werden. Interessierte Lehrpersonen wenden sich an den Projektleiter Werner Niederbrunner (Tel. 0474 413 977, werner.niederbrunner@caritas.bz.it). Er koordiniert und organisiert den Ablauf, informiert über die verschiedenen thematischen Wahlmöglichkeiten und steht als Ansprechpartner für alle weiteren Fragen zur Verfügung. Informationen zum Südtiroler FinanzFührerschein sind auch online unter www.finanzfuehrerschein.bz.it abrufbar.
Download
Zurück zur Übersicht