4 Monate nach dem Vinschger Zugunglück: die Solidarität der Bevölkerung ist angekommen

Das schwere Zugunglück im Vinschgau, das am 12. April 2010 neun Todesopfer und mehr als zwei Dutzend Verletzte forderte, hat in Südtirol und darüber hinaus große Betroffenheit und Anteilnahme ausgelöst. Viele Menschen wollten helfen und beteiligten sich an der Spendenaktion, zu der Caritas und Despar/Aspiag sofort nach der Katastrophe aufgerufen haben. Auch die Landesregierung stellte umgehend 100.000 Euro als Soforthilfe bereit und beauftragte Caritas und Bezirkssozialdienste damit, diese Mittel den betroffenen Familien zukommen zu lassen. Bis heute sind so insgesamt 184.000 Euro auf die Spendenkonten der Caritas eingegangen. Inzwischen haben Caritas- und MitarbeiterInnen der Bezirksgemeinschaften Vinschgau und Burggrafenamt Gespräche mit den Betroffenen geführt. Die eingegangenen Spenden wurden weitergegeben.
„Mit unserer Aktion wollten wir von der großen Anteilnahme in Südtirol eine Brücke hin zu den Betroffenen bauen, die Solidarität der Bevölkerung an die Betroffenen weiterleiten“, erklärt Caritas Direktor Heiner Schweigkofler, „Als Caritas haben wir den Auftrag, Menschen in Notlagen zu helfen, durch Begleitung von Mensch zu Mensch, durch fachlichen Rat und finanzielle Unterstützung. Zügig und unbürokratisch haben wir versucht, diesen Auftrag auch in diesem Fall umzusetzen.“
Gemeinsam mit den Mitarbeitern in den zuständigen Landesämtern, Bezirksgemeinschaften und der Sanitätseinheit wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, um die Vorgangsweise, Aufgabenteilung und Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen zu besprechen. Als Mitglieder sorgten die Direktorin der Bezirksgemeinschaft Vinschgau, Martha Stecher, die Mitarbeiterinnen Karin Tschurtschenthaler, Evi Christandl und Carmen Angerer, der Direktor der Bezirksgemeinschaft Meran Florian Prinoth und der Leiter des psychologischen Dienstes und der Notfallpsychologie Erwin Demichiel für eine reibungslose Abwicklung der Hilfsmaßnahmen. Landesrat Richard Theiner, Eugenio Bizzotto, der stellvertretende Direktor der Abteilung Familie und Sozialwesen und Caritas-Direktor Heiner Schweigkofler sicherten die nötigen Rahmenbedingungen. „Es war uns wichtig, dass die finanzielle Unterstützung unsere Verbundenheit zum Ausdruck bringt und gleichzeitig situationsorientiert und nachhaltig wirkt. Wir haben mit allen Hinterbliebenen und Verletzten ausführliche Gespräche geführt“, erklärt Silvia Moser, die die Begleitung der Opfer des Zugunglücks für die Caritas übernommen hat.
Ein Teil der eingegangenen Spenden wurde in Form von Solidaritätsbeiträgen an die Hinterbliebenen – jede Familie erhielt 6.000 Euro – weitergegeben. Die 33 Verletzen hingegen sollten ihre Situation selbst einschätzen. In einem gemeinsamen Treffen wurden sie dazu eingeladen. Im Anschluss daran wurden in Einzelgesprächen die Solidaritätsbeiträge bis zu einer maximalen Höhe von 2.500 Euro festgelegt. „Bei den Gesprächen haben wir gemerkt, wie tief die seelischen Erschütterungen sind, die dieses Zugunglück bei den Menschen hinterlassen hat“, erklärt Silvia Moser. Jene Opfer, die noch weitere professionelle Unterstützung psychologischer Natur brauchen, haben wir an Dienste der Caritas und der Sprengel, sowie an den psychologischen Dienst vermittelt“, so Moser weiter. Einige Sonderzuweisungen - etwa für Familien, in denen aufgrund des Todes von Familienvätern und -müttern weitere finanzielle Schwierigkeiten zu erwarten sind, werden in den nächsten Wochen ausbezahlt, nachdem die letzten offenen Fragen geklärt sind.
„Es handelt sich bei der finanziellen Unterstützung seitens der öffentlichen Hand weder um Schweigegeld, noch um einen Versicherungsersatz. Diese Hilfe soll ein Ausdruck der Solidarität für die Opfer der schrecklichen Katastrophe sein“, erklärt Landesrat Richard Theiner. „Die Betroffenen waren vielfach überrascht, wie schnell die Hilfe kam und waren dankbar für die Gespräche“, so Evi Christandl, Carmen Angerer und Silvia Moser, die die Gespräche mit den Hinterbliebenen und Verletzten geführt haben. „Für die Betroffenen war der Solidaritätsbeitrag eine wichtige Hilfe, um für ihre psychische und körperliche Genesung selbst Verantwortung übernehmen zu können“, hebt die Direktorin der Bezirksgemeinschaft Vinschgau, Martha Stecher, hervor. Sie unterstreicht auch die gelungene Zusammenarbeit zwischen den MitarbeiterInnen von privaten und öffentlichen Einrichtungen, die „trotz der großen Tragik der Menschen zukunftsweisend“ sei.
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