Schulden zu vermeiden hilft, Armut zu verhindern
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- 23.04.2010
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Kategorie: Schuldnerberatung
„2009 war ein schwieriges Jahr. Selbständige mussten ihre Tätigkeit aufgeben, Menschen haben ihre Arbeit verloren oder mussten Einkommensverluste hinnehmen. Viele Familien, die bei uns Rat gesucht haben, hatten massive Zahlungsprobleme“, erklärt Petra Priller, die die Caritas Schuldnerberatung seit acht Jahren leitet. Aus dem eben erschienen Jahresbericht 2009 der Schuldnerberatung wird klar, woher die finanziellen Nöte der SüdtirolerInnen kommen. 27% der insgesamt 1.138 Betreuten im Jahr 2009 waren aufgrund ehemaliger Selbstständigkeit verschuldet, weitere 12% weil sie sich beim Hausbau, Wohnungskauf oder mit sonstigen Ausgaben übernommen haben. Der größte Anteil der Ratsuchenden, nämlich 37%, war arbeitslos oder hatte ein sehr geringes Einkommen. 40% aller KlientInnen hatten monatlich weniger als 1.000 Euro zur Verfügung. „Bei so wenig Einkommen ist es erfahrungsgemäß schwer, alle Lebenshaltungskosten zu bewältigen. Unvorhergesehene Ausgaben wie eine nötige Autoreparatur können dann schnell zur Schuldenfalle werden“, erklärt Priller.
Im heurigen europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ungerechtigkeit hat die Schuldnerberatung ihren Jahresbericht unter das Motto „Schulden vermeiden, Armut verhindern“ gestellt. „Schulden zu haben bedeutet nicht zwangsläufig arm zu sein, doch wenn die Rückzahlungsraten zu hoch sind, um zusätzlich die Lebenshaltungskosten zu begleichen, dann kann aus Verschuldung schnell Überschuldung werden“, erklärt Priller. Dann drohe der finanzielle Zusammenbruch mit all seinen negativen Konsequenzen. „Überschuldung kann zur Armutsfalle werden, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird“, so Priller. Dabei sei Armut als mehrdimensionales Phänomen zu betrachten, in dem fehlende finanzielle Ressourcen zu Beeinträchtigungen in verschiedenen Lebensbereichen führen. „Arm zu sein in Südtirol ist nicht lebensbedrohlich, doch arme Menschen können mit dem Lebensstandard der Umgebung nicht mithalten. Sie sind im Hinblick auf Bildung, Gesundheit, Kultur und Teilhabe am gesellschaftliche Leben eingeschränkt. Außerdem führt der finanzielle Druck zu Isolation, Suchtverhalten, Einsamkeit und Depression“, erklärt die Leiterin der Schuldnerberatung. Sie appelliert an alle SüdtirolerInnen, Warnsignale wie ein ständig überzogenes Konto oder vermehrt zugestellte Mahnungen ernst zu nehmen und sich fachliche Hilfe zu holen. „Wer sich frühzeitig mit dem Thema Geld auseinandersetzt und sein Schuldenproblem in Angriff nimmt, kann ein Abdriften in die Armut verhindern.“
Insgesamt sieben SchuldnerberaterInnen bieten professionelle Fachberatung und Begleitung bei finanziellen Problemen an. Sie arbeiten klare Haushaltspläne aus, verhandeln auf Wunsch mit den Gläubigern und bieten Unterstützung bei der Schuldenregulierung durch geänderte Ratenvereinbarungen, Umschuldungen, Ausgleiche oder Stundungen an. Dabei berücksichtigen sie sowohl die finanzielle, als auch die soziale und rechtliche Situation der Betreuten. 60% der Ratsuchenden haben im Jahr 2009 dadurch ihre Schuldensituation in den Griff bekommen.
„Je früher die Betroffenen zu uns kommen, desto leichter ist es, aus der Schuldenspirale auszubrechen“, berichtet Petra Priller. Deshalb setzt die Schuldnerberatung seit Jahren auf Sensibilisierungsarbeit und Präventionstätigkeit. Dazu informieren die BeraterInnen in Beratungsgesprächen, Weiterbildungen und Workshops rund ums Thema Geld und Haushalt. Sie klären über die Risiken von Bürgschaften auf und prüfen die finanzielle Situation der KlientInnen, bevor diese größere Investitionen tätigen. „Wir möchten die Menschen erreichen, bevor finanzielle Probleme Überhand nehmen“, erklärt Petra Priller. In Zukunft plant die Schuldnerberatung auch eine verstärkte Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendorganisationen, um bereits Kinder und Jugendliche für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Geld zu sensibilisieren.
Caritas-Direktor Heiner Schweigkofler plädiert zusätzlich für klare Regelungen, die eine gesetzliche Entschuldung oder Schuldenregulierung möglich machen. „Für Menschen mit einem geringen Einkommen ist es nahezu unmöglich, hohe Schuldenberge zurückzuzahlen. Damit sie in Würde weiterleben können brauchen sie die Möglichkeit zu einem finanziellen Neustart“, so Schweigkofler.
Die Schuldnerberatung der Caritas berät diskret und kostenlos. Dabei wird sie von der Abteilung Sozialwesen der Autonomen Provinz Bozen und von der Stiftung Südtiroler Sparkasse finanziell unterstützt. Büros der Schuldnerberatung gibt es mittlerweile in Bozen (Sparkassenstraße 1, Tel. 0471 304 380), Meran (Rennweg 52, Tel. 0473 258 757), Bruneck (Paul-von-Sternbach-Str. 6, Tel. 0474 413 977) und ab Juni auch in Brixen (Pfarrplatz 4, Tel. 0472 205 928). Für den Ersttermin ist eine telefonische Voranmeldung notwendig. In allen Büros der Schuldnerberatung ist deren Jahresbericht in beiden Landessprachen kostenlos erhältlich.