Giacinta Covi ist fast 60 Jahre alt, hat Familie und Kinder, in ihrem Leben verschiedene Berufe ausgeübt und war bereits seit Jahrzehnten in der Freiwilligenarbeit tätig: zuerst in der Jugendarbeit, dann in der Pfarrei und in der Landesleitung der Pfadfinder. „Meine Kinder brauchen mich nicht mehr so sehr, ich bin inzwischen in Rente und in den meisten Vereinen sind jüngere nachgerückt“, erklärt Giacinta Covi. Eigentlich könnte sie sich zurücklehnen. Tat sie aber nicht. Sie hörte von dem Projekt 'Solidarisch – diesseits und jenseits der Alpen' und meldete sich: „Ich wollte den Mut aufbringen, auf meine Sicherheit und Bequemlichkeit zu Hause zu verzichten und mich auf etwas Neues einlassen“, erklärt sie. Giacinta Covi ist froh, diesen Schritt getan zu haben: „Ich konnte mich in der Tagesstätte in Aubing ganz der Freiwilligenarbeit widmen und jeden Tag zum gerichteten Tisch gehen. Ich habe den dortigen Mitarbeitern allerlei Arbeit abgenommen. Ich habe genauso Töpfe gespült, wie ich ältere Menschen begleitet, mit ihnen gespielt und für sie gekocht habe. Die Erfahrung in Bayern motiviert mich, mich in Südtirol noch mehr einzubringen.“ Die Herausforderung, in ein unbekanntes Gebiet einzutauchen, habe sie zu neuer Reife und Erfahrung gebracht, erklärt Frau Covi nach ihrer Rückkehr.
Die Südtiroler Freiwilligen arbeiten in unterschiedlichen sozialen Einrichtungen mit und erleben hautnah kulturelle und soziale Unterschiede: sie geben Mahlzeiten an Obdachlose aus, begleiten betagte Menschen durch den Alltag, machen mit Kindern aus Migrantenfamilien Hausaufgaben, reparieren mit Jugendlichen Fahrräder oder stehen einfach als Ansprechpartner/in zur Verfügung, wenn jemand ein Gespräch sucht. Sie vermittelt die Einsatzorte und organisiert für die Freiwilligen eine Haftpflichtversicherung.
Das Projekt wird von der Caritas Diözese Bozen Brixen gemeinsam mit dem Deutschen Caritas-Landesverband Bayern betreut und läuft noch bis zum 31. Juli 2011. Dabei haben sechs Südtiroler Freiwillige über 50 Jahren die Möglichkeit, acht Wochen lang in einer Sozialeinrichtung in Bayern tätig zu sein. Umgekehrt kommen sechs Freiwillige aus Bayern ebenso lang nach Südtirol. An- und Rückfahrtskosten sowie eventuell entstehende Fahrtspesen übernimmt die Caritas, für Unterkunft und Verpflegung der SüdtirolerInnen in Bayern ist gesorgt. Finanziert wird das Projekt von der Europäischen Kommission, Generaldirektion Bildung und Kultur. Hermann Barbieri, der bei der Caritas das Projekt betreut, erklärt: „Die Freiwilligen stehen an der Schwelle zum Ruhestand oder sind bereits mittendrin und bringen sich selbst, ihre Lebenskenntnisse und Interessen für die Allgemeinheit ein.“ Die Caritas wolle mit diesem Projekt die Lebenserfahrung älterer Menschen wertschätzen und Freiwilligen neue Erfahrungen erschließen. „Die Menschen lernen andere Realitäten, andere Denkmuster, neue Konzepte von sozialem Einsatz, neue Organisations- und Umsetzungsmodelle für die Solidarität kennen.“ Und Barbieri schließt ab: „Die Freiwilligen kommen reich an persönlichen Erfahrungen, an Motivation und Schwung nach Südtirol zurück und bringen neue Motivation mit, ihr Engagement hier im Land weiterzugeben.“
Im Projekt sind noch Plätze frei. Interessierte wenden sich an Hermann Barbieri, Freiwilligenarbeit und Pfarrcaritas, Pfarrplatz 4, I-39042 Brixen, Tel. 0472 205 965, E-Mail:
hermann.barbieri@caritas.bz.it