Freitag, 10. Februar 12 Caritas.Blog
 

Geschichte von Misgana - Tokonda, Eritrea

by Kategorie: Kinderpatenschaften
 
Die Hütte von Misgana sieht stabil aus: Wände aus Lehm, getrocknetem Kuhmist, Steinen und Holz tragen ein mit Stroh gedecktes Dach. Der Boden besteht aus Erde. Sie ist sorgfältig gestampft. „So wird wenig Staub aufgewirbelt“, erklärt Misganga. Die schlanke, hochgewachsene Frau mit den kurzen, krausen Haaren wirkt ausgezehrt. Sie ist gerade vom Acker nach Hause gekommen und wartet auf ihren Sohn. Der sechsjährige Ghebriel besucht tagsüber den Kindergarten im Sozialzentrum von Tokonda in Eritrea. „Ich war sechzehn, als Ghebriel geborren ist“, erzählt Misganga. Für sie war der kleine Bub ein Geschenk des Himmels – nicht nur, weil er sie vom Militärdienst befreite, den fast alle Eriträer, Männer und Frauen, ab 17 Jahren ableisten müssen, wenn sie keine Kinder haben. Wie lange der Dienst dauert, ist ungewiss. Manche kommen nach fünf Jahren nach Hause, manche aber erst nach zwanzig. In den Dörfern leben hauptsächlich Kinder und ältere Leute. Auf den trockenen Äckern arbeiten alle mit, so gut sie können. Doch das Klima spielt immer seltener mit. Der wenige Regen reicht nicht immer aus, um das Getreide wachsen und reifen zu lassen. Die Ziegen und Kühe fressen dürre Gräser, die sie auf dem braunen, ausgetrockneten Boden finden. Wenn sie zu schwach werden, lassen die Bauern sie auf den Feldern weiden. Denn die Milch macht die Kinder satt und ist eine wichtige Nahrungsgrundlage.

„Als mein Schwiegervater noch hier war, war alles ein bisschen leichter“, sagt Misgana. Weil sein Sohn, ihr Mann desertiert ist, sitzt der Vater seit mehr als einem Jahr im Gefängnis von Asmara. Von seinem Sohn hat er keine Nachricht. Er weiß nur, dass er nach Italien auswandern und dort sein Glück versuchen wollte. Die Felder bestellt Misgana seitdem allein. Ihre Hände sind voller Schwielen, ihr Blick wirkt müde, während sie dasitzt und erzählt. Erst als ein kleiner, quirliger Lockenkopf in der Tür auftaucht, strafft sich ihr Körper, ihre Augen lächeln. Ghebriel ist nach Hause gekommen. Der Junge ist schlank, er sieht gesund und kräftig aus. Im Kindergarten bekommt er genug zum Essen, Impfungen und Medikamente, wenn er krank ist. Er kann spielen und lernt nebenbei auch schon Buchstaben und Zahlen kennen. „Er wird weiter zu Schule gehen; er wird klug und kräftig werden“, sagt seine Mutter, „Vielleicht kann er, wenn er groß ist, seinen Vater suchen und nach Hause zurück bringen“.
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