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Geschichte von Maria - Cochabamba, Bolivien

by - 1 Kommentare vorhanden Kategorie: Kinderpatenschaften
 
Maria ist über die Ferien nach Hause in die weite Hochebene von Cochabamba gekommen. Mit acht Jahren hat sie ihr Heimatdorf Calamarca Grande zum ersten Mal verlassen. „Ich war sehr traurig“, erzählt sie, der Abschied von ihrer Familie vor drei Jahren sei ihr schwer gefallen. Doch es war die für sie die einzige Möglichkeit, weiter zur Schule zu gehen und zu lernen. Das bolivianische Hochland ist spärlich besiedelt. Die Dörfer liegen abgelegen, die einzelnen Häuser weit voneinander entfernt. Schulen und Krankenhäuser gibt es nur wenige. Die Wege dahin sind zu weit, um sie jeden Tag zurückzulegen.

Der kleine Hof von Marias Familie liegt inmitten des weitläufigen Landes, umgeben von braunen Hügeln, kargem Ackerland und braungrünen Steppenpflanzen. Mit seinen braunen Wänden aus Lehm und Steinen und dem Dach aus trockenen Gräsern, wirkt das Haus, als wäre es direkt aus der Erde emporgewachsen. Um den ersten Nachbarhof zu erreichen ist mindestens eine Stunde Fußmarsch nötig. Die nächste Schule liegt zwei Wegstunden entfernt und deckt die ersten zwei Schuljahre ab. Maria hat dort Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt. Auf Anregung der Lehrerin bewarb sie sich um einen Platz im Internat von Pochona, in der weit entfernt gelegenen Schulstädtchen. „Du kannst dort viel lernen und später einen guten Beruf ergreifen“, hat ihre Mutter sie überredet, als Maria nicht von zuhause weggehen wollte.

Marias Familie hätte ihren Aufenthalt im Internat und die Schulmaterialien nicht bezahlen können. Doch Maria bekam Unterstützung von Südtiroler PatInnen. Sie ist jetzt bereits drei Schuljahre lang in Pochona und weiß das Leben im Internat zu schätzen. Sie bekommt Unterkunft, ausgewogene Mahlzeiten und wird gesundheitlich versorgt. Im Internat kann sie neben der Schule noch einen Computerkurs machen und singt im Chor mit.

Anfangs hatte Maria Schwierigkeiten mit der spanischen Sprache. Zuhause spricht die Familie nur Quechua, einen Dialekt des Hochlandes. Mittlerweile spricht, liest und schreibt Maria fließend Spanisch. „Für mich war alles neu. Wie bin ich erschrocken, als ich zum ersten Mal den Wasserhahn aufgeschraubt habe“, erinnert sich Maria lächelnd. Bei ihr zuhause gibt weder fließend Wasser noch Strom. Wasser wird aus dem Brunnen geholt und in Eimern ins Haus getragen. Das gehörte unter anderem mit zu Marias Aufgaben auf dem Hof, wo sie früher nach der Schule jeden Tag mithalf. Die Aufgaben machte sie immer kurz vor Sonnenuntergang, im letzten Licht des Tages. Einen Schreibtisch, wie im Internat, hat Maria zuhause nicht - nur zwei Kisten, die neben ihrer Hängematte auf dem festgestampften, braunen Lehmboden stehen.

Dennoch freut sich Maria jedes Jahr auf die großen Ferien. Sie verbringt dann drei Monate bei ihren Eltern und Geschwistern und hilft bei der Ernte. Die Böden im Bolivianischen Hochland sind karg. Ihnen mit den einfachen Werkzeugen eine Ernte abzutrotzen ist Schwerstarbeit; die ganze Familie hilft mit. Die aus Ästen zusammen gezimmerten Pflüge werden von Ochsen gezogen und wühlen sich schwerfällig durch den harten Boden. Immer wieder muss der Bauer den Pflug in den Boden stampfen. Mais, Kartoffel und Getreide werden von Hand geerntet und in großen, geflochtenen Körben transportiert. Der Alltag der bolivianischen Bauern wirkt für Europäer wie eine Reise in die Vergangenheit. Für die Bauernfamilien ist es ein täglicher Kampf gegen Hunger und Not, denn die Niederschläge werden aufgrund der klimatischen Veränderungen immer seltener und die Ernten magerer. Immer mehr Menschen sehen sich gezwungen, das Hochland zu verlassen. Vor allem junge Leute suchen ihr Glück in den großen Städten der Tiefebene. Doch ohne Schulbildung enden sie meist in den Elendsvierteln, wo die Not noch größer ist, als zuhause.

Maria wird dieses Schicksal nicht teilen. Mit einem Schulabschluss hat sie gute Chancen, eine Arbeit zu finden. Jetzt, in den Ferien, sitzt sie fast jeden Abend mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern auf dem Lehmboden im Haus. In bunte, gewebte Wolldecken gewickelt erzählt Maria, was sie in der Schule lernt. Ihre fünfjährige Schwester strahlt über das ganze Gesicht: sie hat gerade zum ersten Mal ihren Namen selbst geschrieben.
Geschichte von Maria - Cochabamba, Bolivien
 
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