Ein langjähriger Besucher des Tagesclubs redet
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- 15.11.2010
Kategorie: Tagesclub
Da ist der karge Verdienst bei der Arbeit, meine zumindest zeitweilige oder auch längerfristige Unfähigkeit einen 5 Tagesrhythmus zu je 4,5 Stunden vormittags aufrecht zu erhalten und ansonsten der Frust irgendwie in der Sozialgenossenschaft fehl am Platze zu sein. Das damit verbundene Bewusstsein, dass ich ja gar nicht so unproduktiv wäre unter guten Bedingungen, macht die ganze Sache auch nicht besser.
Mein Energiehemmer Nr. 1 ist nach wie vor das Medikament Risperdal, dem nachgesagt wird keine Nebenwirkungen zu haben, was aber eine glatte Lüge ist! Für Seelentrost oder für ein Aufatmen bei Themen wie diesen, sorgen normalerweise Gespräche mit Freundin E. oder mit Freundin M.
Als gutes Gegenmittel bei Problemen im Alltag und darüber hinaus haben sich vor allem Besucher im Tagesclub Meran bewährt. Irgendwie scheinen die Mitarbeiter dort zu schaffen das richtige zu sagen oder zu tun, um mir bei den vorhin aufgezählten Problemen unter die Arme zu greifen!
Der Tagesclub bildet eine stabile menschliche Insel in einer hektischen Zeit, wo es scheinbar keinen Platz für teilzeitarbeitende oder arbeitslose Menschen gibt, die unter psychischen Problemen leiden oder gelitten haben. Man kann dort frühstücken und zu Mittag essen, es wird gemeinsam gesunden oder musiziert usw.
Nach meinem letzten Psychose-Rückfall hat sich mein Bekanntschaftskreis wieder Mal stark eingeengt und auch ein „unbedeutendes“ Gespräch ist mir dadurch sehr willkommen. Klar, ist mir ein echter Freundeskreis lieber als mich in den Tagesclub zu begeben, wo halt die Mitarbeiter ihre Arbeit machen, zwar mit Freude, aber ein echter Freund ist mir doch mehr wert. Brauchen tue ich zur zeit noch beides… Ich hatte in den letzten 10 Jahren 2 Psychosen ( Schizophrene Schübe), dessen Auslöser mir unbekannt ist. Mehrere Jahre nach dem Absetzen der Medikamente bekam ich jeweils einen Rückfall, der mich viel zeit, Schrecken und Herzblut kostete!
Mit Hilfe des Tagesclubs ist es mir gelungen eine Psychose ohne Psychiatrieaufenthalt durchzustehen, dies ist gewiss der guten Arbeit der Mitarbeiter des Tagesclubs zuzuschreiben! Mittlerweile reicht die Zeit der Lebensbegleitung des Tagesclubs bei mir über 14 Jahre zurück und sie hat ihre Früchte getragen!