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10 Jahre Haus “Maria Hueber”

by Caritas MA Maria Lobis - 25.09.2009 Kategorie: Projekt "Vier Wände"
 
Am 19. März 2000 verteilte eine Gruppe von Freiwilligen im Haus “Maria Hueber” zum ersten Mal kostenlose Mahlzeiten an Menschen in Not. Damit wurde das Haus der Tertiarschwestern in der Brixner Rungadgasse 20 offiziell als Anlaufstelle für Bedürftige eröffnet. Im Auftrag der Schwestern führt die Caritas Diözese Bozen-Brixen seither die Essensausgabe „Maria Hueber“ und die Dienststelle „Vier Wände“, in der 20 vorübergehende Wohnmöglichkeiten für Einzelpersonen und Familien zur Verfügung stehen, die auf dem freien Wohnungsmarkt nur schwer eine finanzierbare Unterkunft finden. Das zehnjährige Jubiläum der beiden Dienste fällt ins heurige Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ungerechtigkeit. Aus diesem Anlass möchte die Caritas auch für die Armut und Not sensibilisieren, die das Leben mancher Menschen in der ehemaligen Bischofsstadt prägen. „Wir begegnen im Haus täglich Menschen, die aus der Bahn geworfen wurden, die kein Dach über dem Kopf haben, die psychisch krank sind, unter Abhängigkeiten leiden, keine Arbeit haben, in menschenunwürdigen Unterkünften leben oder keine Möglichkeit haben, sich ein warmes Essen zu kochen“, erklärt Heini Ebner, der die beiden Caritas-Dienst im Haus „Maria Hueber“ seit zehn Jahren leitet.

Die Essensausgabe „Maria Hueber“ steht seit ihrer Eröffnung vor genau zehn Jahren jeden Tag mittags und abends offen. Seit zwei Jahren werden die Räumlichkeiten während der kalten Winternachmittage in eine Teestube umfunktioniert und für Obdachlose geöffnet. Die Mittag- und Abendessen werden von den Tertiarschwestern zubereitet. Ausgegeben werden sie von einer Gruppe von Freiwilligen, die die Gäste in der Mensa willkommen heißen, ihnen zuhören, wenn sie reden möchten und ihnen - wo immer möglich - weiterhelfen. „Ohne die verlässliche Mitarbeit der Tertiarschwestern und der Freiwilligen könnten wir die Dienste in der Essensausgabe nicht anbieten“, bedanken sich die Caritas-Direktoren Heiner Schweigkofler und Mauro Randi für deren langjährigen Einsatz. In den vergangenen zehn Jahren wurden insgesamt 92.0000 Mahlzeiten ausgegeben. Einen Teil der dafür benötigten Lebensmittel stellen öffentliche und private Betriebe der Umgebung kostenlos zur Verfügung. „Die Landesmensa in der Brixner Industriezone, verschiedene Gemüsehändler und Lebensmittelgeschäfte und die Fa. Aspiag unterstützen uns seit Jahren mit Lebensmitteln, die wir in der Mensa verwerten“, betonen Schweigkofler und Randi.

Die Gäste in der Essensausgabe „Maria Hueber“ stammen zum Teil aus Brixen und aus dem übrigen Südtirol, zum Teil aus Deutschland, aus den ehemaligen Ostblockstaaten und aus nicht-EU-Ländern. Menschen aus 44 Ländern haben in den vergangenen Jahren eine warme Mahlzeit bekommen. Die Gründe für ihre Bedürftigkeit waren und sind vielfältig. Manche Gäste sind obdachlos, manche haben den Arbeitsplatz verloren, andere sind alkoholabhängig oder haben psychische Probleme, einige haben keine Kochmöglichkeit in ihren Unterkünften, wieder andere müssen von der Mindestpension leben und kommen mit dem Geld nicht bis ans Ende des Monats. Auch Jugendliche aus sozial schwachen Familien essen manchmal im Haus „Maria Hueber“. „Die meisten Menschen, die zu uns zum Essen kommen, leiden unter Mehrfachproblematiken“, erklärt Heini Ebner. Für Menschen ohne Waschgelegenheit stehen in der Essensausgabe Duschen zur Verfügung, die in den vergangenen zehn Jahren 5.700 Mal genutzt wurden. Die ebenfalls zur Verwendung bereitstehende Waschmaschine ist in diesem Zeitraum 3.100 Mal im Einsatz gewesen.

Die Wirtschaftskrise hat sich auch im Haus „Maria Hueber“ bemerkbar gemacht. „Im Vergleich zu den Vorjahren haben im vergangenen Winter monatlich zwischen 20 und 30 Menschen mehr bei uns gegessen“, so Heini Ebner. Die Menschen seien durchwegs ohne Arbeit und bedürftig und in zunehmendem Maß Frauen. Die meisten von ihnen sind arbeitslos gewordene Haushaltshilfen aus Osteuropa, aber auch obdachlose Frauen aus Südtirol und Nicht-EU-Staaten kommen verstärkt in die Mensa essen. Menschen, die um politisches Asyl angesucht haben – vor allem aus Irak und Afghanistan – seien ebenfalls im Steigen begriffen. Im Haus “Maria Hueber” befindet sich nicht nur die Essensausgabe, sondern auch der Dienst “Vier Wände”, der acht Wohneinheiten in Brixen und zwölf Wohneinheiten in Kaltern umfasst. In diesen Wohnungen finden Menschen in schwierigsten Lebenssituationen ein Dach über dem Kopf: denen die Delogierung ins Haus steht; die in feuchten Kellerwohnungen leben und krank werden; die ihre Arbeit verloren haben oder in Konkurs gegangen und verschuldet sind; die sich von ihren Partnern getrennt haben. Die Miete wird nach dem Landesmietzins berechnet. „Es ist uns ein Anliegen“, so Heini Ebner, „dass wir Menschen und Familien aufnehmen, die keine andere Wohnmöglichkeit haben.“ Deshalb arbeitet die Caritas nach klaren Aufnahmekriterien und in enger Zusammenarbeit mit den Sozialdiensten. Es sind in erster Linie die Dringlichkeit und die soziale Situation der AntragstellerInnen, nach denen die Wohnungsvergabe entschieden wird. Der Bedarf ist enorm größer als das Angebot. Wer um Aufnahme ansucht, wird daher zunächst in die Warteliste eingetragen. Wenn Kinder von Wohnungsnot mitbetroffen sind, ist die Wahrscheinlichkeit der Zuweisung einer Wohnung im Projekt „Vier Wände“ größer. In den vergangenen zehn Jahren sind in den 20 Wohnungen insgesamt 49 Familien und 10 Einzelpersonen aufgenommen worden. Derzeit leben im Haus „Maria Hueber“ in Brixen sechs Familien und zwei Einzelpersonen. Von den 29 BewohnerInnen sind 11 Kinder. In den zwölf Wohneinheiten im Haus „Elisabeth von Thüringen“ in Kaltern sind zehn Familien und zwei Einzelpersonen untergebracht.



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