Die Wurzeln der Caritas der Diözese Bozen-Brixen liegen in den ersten Jahren des vorigen Jahrhunderts. Bis heute hat sie die Bedürfnisse und Nöte der armen und ausgegrenzten Menschen im Blick.
Der erste Caritas-Verband wurde 1897 in Köln gegründet mit dem Ziel, die caritativen Aktionen, Einrichtungen und Vereine zu bündeln. Neben einer flächendeckenden Einrichtung von Diensten war es der Caritas Deutschlands und auch jener Österreichs von Anfang an ein zentrales Anliegen, überall Pfarrcaritas-Stellen entstehen zu lassen. Ziel war es, die Nachbarschaftshilfe und den Dienst der Ehrenamtlichkeit zu fördern. In der Diözese Brixen entstand die Diözesancaritas im Jahr 1947 als Antwort auf die wachsende Not in den Nachkriegsjahren. Erster Caritas-Direktor war Johann Prenn. Er war sich bewusst, dass in allen Pfarrgemeinden Caritas-Gruppen gegründet werden mussten, um die Not effektiv und vor Ort lindern zu können. In Meran formierte sich zum Beispiel gleich nach Kriegsende eine Pfarrcaritas. Die MitarbeiterInnen sahen ihre Hauptaufgabe zunächst in der Betreuung und Unterstützung der Kriegsopfer. Später nahmen sie sich vor allem arbeitsloser Menschen an.
Die Bozner Diözesancaritas wurde 1949 auf Drängen des Erzbischofs von Trient, Karl von Ferrari gegründet. Ihr größtes Anliegen war der Kampf gegen die Wohnungsnot und die Hilfe bei der Arbeitssuche im Nachkriegs-Südtirol. Beide Caritas-Stellen – die Brixner und die Bozner Diözesancaritas – arbeiteten von Anfang an eng zusammen. Als es 1964 zur Diözesaneinigung kam, wurden auch die beiden Caritas-Stellen von Bozen und Brixen zusammengeschlossen. Am 14. August 1967 wurde die Diözesancaritas erstmals offiziell vom italienischen Staat als Rechtsperson anerkannt.
Die Diözesancaritas war – und ist es bis heute – aufgeteilt in zwei Sektionen: eine deutsch-ladinischsprachige und eine italienischsprachige. Beide Sektionen führen bis heute angeschlossene Stiftungen, durch die der größte Teil der vielfältigen sozialen Hilfsmaßnahmen ausgeführt wird – die Stiftung Caritas in der deutsch-ladinischen Sektion und die Stiftung Odar in der italienischen Sektion. An der Spitze der deutsch-ladinischen und der italienischen Caritas-Sektion stand je ein vom Bischof ernannter Caritas-Direktor. Pius Holzknecht leitete die deutsch-ladinschsprachige Sektion bis 1972. Danach folgten Alois Müller (1972 – 1989), Herbert Taschler (1989 – 1991) und Franz Kripp (1991 – 2002). Auf Franz Kripp folgte der derzeit amtierende Direktor Heiner Schweigkofler. Direktor der italienischen Sektion der Caritas war bis 1996 don Silvio Bartolamedi, der 1996 von Mauro Randi abgelöst wurde. Am 9. Juli 2010 hat Bischof Karl Golser Pio Fontana zum neuen Direktor der italienischen Sektion der Caritas und zum Präsidenten der Stiftung Odar ernannt.
Die Tätigkeitsfelder und Dienste der Caritas für Menschen in Notsituationen sind vielfältig. Sie wurden in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich ausgebaut. Neben der Katastrophenhilfe und Entwicklungszusammenarbeit vor allem in ärmeren Ländern des Südens liegt das Hauptaugenmerk der Caritas auf den Nöten der SüdtirolerInnen, die Rat und Hilfe suchen. Die MitarbeiterInnen in den 34 Fachdiensten der Caritas sind Wegbegleiter für Menschen, die durch Schicksalsschläge aus der Bahn geworfen wurden, die Auswege aus der Sucht suchen, die Trost und Beistand nach Verlusterfahrungen brauchen, die ZuhörerInnen in Krisenzeiten, Rat bei finanziellen Problemen oder Orientierungshilfen in Arbeitswelt und Gesellschaft benötigen, die von HIV oder Aids betroffen sind. Unterstützt wird die Caritas dabei von freiwilligen HelferInnen, die in den Diensten mitarbeiten oder in den 281 Südtiroler Pfarreien aktiv sind.