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Wissen ist wichtig, Ausgrenzung nicht der richtige Weg: die Südtiroler Caritas an der Seite von Menschen mit HIV und Aids

Am Samstag, den 1. Dezember ist Weltaidstag. Zu diesem Anlass zeigt die Caritas auf, wie wichtig der Einsatz für die betroffenen Menschen ist, damit sie nicht allein gelassen und Opfer von Vorurteilen werden. „Wir schützen uns nicht, indem wir stigmatisieren, sondern indem wir Risikoverhalten vermeiden“ erklärt der Psychologe und Psychotherapeut Pierpaolo Patrizi, der im Rahmen des Caritas-Dienstes Iris gemeinsam mit engagierten Freiwilligen Menschen mit HIV und Aids betreut. „Dafür braucht es Aufmerksamkeit und Aufklärung. Ansonsten geben wir dem Virus mehr Spielraum“, betont Patrizi. Deshalb ruft die Caritas auf, die Informationen rund um HIV und Aids zu intensivieren. Denn durch Angst könne man Neuinfektionen nicht vorbeugen, wohl aber durch Wissensvermittlung, vor allem bei jüngeren Generationen.

Laut einer aktuellen Studie des “Nationalen Aids-Projekts ” in Zusammenarbeit mit der italienischen Caritas hat sich das Bewusstsein über Aids und HIV umgekehrt proportional zum wissenschaftlichen Fortschritt auf diesem Gebiet entwickelt. „Der 1. Dezember dient dazu, auf die Krankheit und Infektionswege aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass das Thema noch immer aktuell ist“, erklärt der Psychologe und Psychotherapeut Pierpaolo Patrizi, der den Caritas-Dienst Iris leitet. Ein Aids-Test schaffe zwar Klarheit und bedeute Sicherheit für sich selbst und die Menschen, die man liebt, doch das allein sei nicht genug. Die Medizin hat riesige Fortschritte gemacht hat und ermöglicht den Menschen mit HIV und Aids eine relativ gute Lebensqualität und dennoch reicht das laut Patrizi nicht aus, um die Ausbreitung des Virus nachhaltig zu verhindern. „Wir müssen auch die vielen Ängste und Vorurteile bekämpfen, die mit der Krankheit einhergehen. Dazu braucht es Informationen. Nur wer über Risiken und Infektionswege Bescheid weiß, kann sich verantwortungsbewusst verhalten und hat entsprechend weniger Angst. Wir müssen uns sozusagen ein „Infektionsbewusstsein“ zulegen“, betont Pierpaolo Patrizi.

Dass Aids und HIV auch in Südtirol noch aktuell sind, beweist die jährliche Anzahl der Neuinfektionen, die mit leichten Schwankungen seit Jahren mehr oder weniger gleich geblieben ist. Heuer wurden zwar weniger Neuinfektionen verzeichnet, doch allein die Tatsache, dass sich Menschen weiterhin angesteckt haben, beweist, dass noch mehr Prävention und Aufklärung vonnöten ist. „Wir müssen vor allem die jungen Menschen erreichen, die die großen Informationskampagnen der Neunziger Jahre nicht miterlebt haben, weil sie damals noch zu jung oder gar nicht geboren waren“, betont Pierpaolo Patrizi.

Gleichermaßen wichtig ist für Patrizi die Betreuung und Behandlung der Betroffenen. Auch auf dieser Ebene setzt sich die Caritas seit über zwei Jahrzehnten ein: im Haus Emmaus, einer Wohngemeinschaft für HIV-positive und aidskranke Menschen und über den Dienst Iris. Dieser stützt sich vor allem auf Freiwillige, die Betroffenen beistehen, ihnen Mut machen und für sie da sind, wenn Familie und Freunde sich zurückziehen. „Unsere Mitarbeiter und Freiwilligen leisten viel Hilfe im Stillen, gerade auch auf menschlicher Ebene. Denn HIV- und Aidsbetroffene haben es schwer, obwohl die Medizin ihnen einiges leichter gemacht hat. Diese Menschen brauchen nicht nur die richtigen Medikamente, sie brauchen auch Zuwendung und Beziehungen, in denen nicht die Ängste prägend sind, sondern die Menschlichkeit“, unterstreicht Caritas-Direktor Paolo Valente und ruft am Welt-Aids-Tag dazu auf, sich zu informieren und die Geschichten der Betroffenen kennenzulernen, um soziale Etikettierung und Vorurteile zu überwinden.

 

Die Caritas unterstützt Menschen mit HIV und Aids

Caritas Iris

Die Freiwilligengruppe Iris begleitet HIV-Betroffene in verschiedenen Lebenssituationen. Koordiniert und fachlich unterstützt werden sie dabei vom Psychologen und Psychotherapeuten Pierpaolo Patrizi. Die 15 Freiwilligen der Caritas Iris begegnen den Betroffenen vorurteilsfrei und unterstützen sie in Krisensituationen – zu Hause, am Sitz des Dienstes in der Bozner Sparkassenstraße und in der Infektionsabteilung des Bozner Krankenhauses. Im Rahmen von Iris ist außerdem der Musiktherapeut Roberto Ghiozzi tätig und bietet therapeutische Treffen am Sitz des Dienstes in der Bozner Sparkassenstraße 1 sowie im Krankenhaus an.

Haus Emmaus

Haus Emmaus ist eine Wohngemeinschaft der Caritas für 14 HIV-positive oder aidskranke Menschen in Leifers. Die Bewohner werden gesundheitlich und psychologisch betreut und in spiritueller und pädagogischer Hinsicht begleitet, damit sie den von der Krankheit geprägten Lebensabschnitt annehmen und positiv gestalten können. Die Mitarbeiter bieten zusammen mit Freiwilligen ein Programm an, das ihren hilft, ihren Alltag zu bewältigen und die Tage sinnvoll zu strukturieren. Menschen, bei denen die Krankheit fortgeschritten ist, werden im Haus gepflegt und auf dem Weg des Abschiednehmens begleitet.

Bahngleis 7

Im Mittelpunkt des Bahngleis 7 in der Bozner Garibaldistraße 7 steht zwar nicht speziell die Unterstützung von HIV-Betroffenen, wohl aber der Schutz vor einer möglichen Infektion. Bahngleis 7 ist eine niederschwellige Einrichtung für aktive Konsumenten illegaler Substanzen und Psychopharmaka, sowie für Menschen mit Suchterfahrungen. Um der Ausbreitung von Aids entgegenzuwirken, bietet der Dienst kostenlosen Spritzentausch und Hygienematerialien sowie Beratung über sichere Sexual- und Konsumpraktiken an. Im Bahngleis “ können sich die Betroffenen aufhalten, kostengünstig essen, duschen und ihre persönliche Wäsche waschen.

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